1944: Verschlechterung der Lage

Ab Sommer 1944 verschlechterte sich die Lage in Tscheb zunehmend. Im Kirchturm wurde eine Wache aufgestellt, um eventuelle Brandstiftungen auf den Getreidefeldern sofort zu melden, da man des öfteren nachts Brände drüben in Syrmien beobachten konnte. Amerikanische Luftgeschwader überflogen immer häufiger den Gemeindebezirk in Richtung Budapest und Wien – von der Donau war jetzt regelmäßig nachts, das Summen feindlicher Flugzeuge zu hören, die Minen in den Fluss werfen. Und die Einschläge kamen näher: Anfang September gab es einen schweren Luftangriff auf Neusatz (Novisad). Den größten Teil der Bombenladungen bekamen die Außenbezirke ab und die Erschütterungen, die Rauch- und Staubwolken konnten noch in Tscheb wahrgenommen werden.

4. Oktober 1944
Vorstoß der Roten Armee auf die südöstliche Batschka
Als der russische Angriffskeil nördlich an Groß-Betscherek vorbei auf Neusatz (Novisad) in die südöstliche Batschka vorstieß, wurden die Einwohner in der Stadt zur Flucht aufgefordert. Aus politischen Rücksichten auf den letzten Bundesgenossen des Deutschen Reiches in Südosteuropa waren genaue Evakuierungspläne nicht aufgestellt worden. Nur für das Gebiet um Neusatz (Novisad) war eine „Räumung“ in Aussicht genommen worden, die allerdings auch erst in den ersten Oktobertagen 1944 überhastet und nur teilweise verwirklicht wurde. War es in der Batscha und Baranja etwa die Hälfte der Deutschen, der die Flucht gelungen sein mochte, so war es bei den Banater Schwaben weniger als einem Zehntel. Die genaue Zahl der Jugoslawien-Deutschen, die seit dem Oktober 1944 unter der Besatzungsherrschaft der Russen und Partisanen zurückblieben, wird – mit sorgfältigen Schätzungen – auf ca. 200.000 beziffert.

1944 – Oktober: Beklemmende Ratlosigkeit in Tscheb

Seit Anfang Oktober 1944 bemächtigte sich zunehmend beklemmende Ratlosigkeit der deutschen Bevölkerung in der Gemeinde. Auch die Schule hatte ihren Betrieb inzwischen eingestellt und jedes zielbewusste Arbeiten hatte aufgehört.

1944 – 8. Oktober: Aufruf zur Flucht – bleiben oder fliehen?

Am 8. Oktober 1944 erfolgte der Flucht-Aufruf der Volksgruppen-Führung an die Donauschwaben der Batschka und Baranja. In Tscheb ging die Frage quer durch die Herzen der Familien: Bleiben oder fliehen? Die ersten 24 Tscheber ergriffen die Gelegenheit zur Flucht am 9. Oktober mit einem leeren Kohlenschlepper, der von Rumänien kam und in Palanka anlegte. Der schwere Fluchtweg des großen Tscheber Trecks begann am 12. Oktober 1944, nur wenige Tage vor dem Einmarsch der Russen in Tscheb.

1944 – 12. Oktober: 60-70 Tscheber Familien fliehen vor Russischer Armee

Am 12. Oktober verließen schweren Herzens und in der Hoffnung auf baldige Rückkehr 60-70 Familien mit Bauern- und Planwagen das geliebte Heimatdorf. Vor allem Angehörige der jüngeren Generation zogen die Flucht, der von der Besetzung durch Russen drohenden Gefährdung vor. Viele Ältere hingegen waren nicht gewillt, ihren Besitz freiwillig aufzugeben. Sie bauten auf ihre bisherige Fähigkeit zu Loyalität – lebten sie doch mit der serbischen und slowakischen Minderheit auch während des zweiten Weltkrieges – in Frieden zusammen. Auf der Flucht starben wenige, während die Daheimgebliebenen eine große Zahl an Lager-Toten zu beklagen hatten. Viele davon sind jämmerlich verhungert, wurden erschossen oder zu Tode geprügelt. Doch verschont von Leid und Not blieben auch die Flüchtenden nicht.

1944 – Mitte Oktober: Ungarische Grenzer & Honved-Soldaten verlassen Tscheb

Für die ungarischen Grenzer galt es immer mehr, vor den Partisanen auf der Hut zu sein. Ihr Schäferhund hat sie vor mancher nächtlichen bösen Überraschung bewahrt. Noch während sie mit gepacktem Wagen auf den Befehl des Rückzuges warteten, wurden beim Überfall eines Partisanen-Kommandos der der Zugführer und ein Soldat getötet. Mitte Oktober 1944 zogen die seit 1940 in Tscheb stationierten ungarischen Grenzer und Honved-Soldaten dann ab.

1944 – 20. Oktober: Einmarsch der Russen und Tito-Partisanen in Tscheb

Nachdem sie am 20. Oktober Belgrad eroberten, marschierten die Russen auch in Tscheb ein. In ihrem Gefolge waren halb in ziviler, halb in militärischer Uniform gekleidete Tito-Partisanen. Widerstand, Schießerei gab es nicht, folglich gab es keine Verletzten oder Toten.

1944 – November: Plünderungen, Vergewaltigungen und Verhaftungen

Andreas Tiefenbach, geboren 1892 in Tscheb berichtet über seine damaligen Erlebnisse: “ Bevor die Russen in unseren Heimatort Tscheb kamen, hatten sich schon die Partisanen eingefunden. Dies war ungefähr Mitte Oktober 1944. Ein Teil der Partisanen bestand auch aus einheimischen Serben. Zunächst geschah der Bevölkerung nichts. Am 7. November wurden in unserer Gemeinde zwanzig Männer abgeholt…“
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1944 – November: Verschleppung, Erschießung und Internierung von Tscheber Männern

Am 8. November 1944 wurden in den Abendstunden 23 Tscheber Männer von den Partisanen aus ihren Häusern geholt…
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1944 – November / Dezember: Tscheber Männer kommen in das Internierungslager Novisad

Am 16. November 1944 vermeldete der „Trommler“ in der Gemeinde: „Alle Männer von 15 bis 60 haben sich morgen im Gemeindehaus einzufinden“. Die Gruppe wurde zusammengestellt und es ging in Begleitung nach Backa Palanka. Dort waren auch schon andere Männer aus umliegenden Orten. Beklemmung und Angst machten sich breit. Der Tscheber Josef Ischtwan, Abiturient, wurde ausgesondert und ist seither verschollen. 2 Tage später (18.11.1944) begann für die Männer zu Fuß – im Laufschritt – der traurige, 40 km lange Weg in das Konzentrationslager Novi Sad. Hiebe und Stöße mit Gewehren und Fußtritte wurden verteilt. Wer mit dem Laufschritt nicht mithalten konnte, wurde erschossen. So fanden die beiden Landsleute Johann Tiefenbach und Josef Morsch ihren Tod bei Begec. Im Lager Novisad herrschte ein eisernes, gnadenloses und unmenschliches Regiment. Um 5:00 Uhr war Tagwache, tagsüber Schwerstarbeit bei kargem Essen, keine Waschgelegenheit. Den Begriff Krankheit kannte man überhaupt nicht. Bald gab es die ersten Sterbefälle. Gruppe Tscheber Männer in das Internierungslager Novisad. Die zweite große „vorgeladene“ Gruppe der Tscheber Männer, die 15- bis 70-jährigen, musste sich am 5. Dezember 1944 im Gasthaus bei Julie Janschenitsch einfinden. Es waren die Großväter und Enkel, knapp 100 an der Zahl. Die Gruppe wurde am nächsten Tag dem großen Transport, von Palanka aus kommend, angeschlossen.. Der Weg wurde zu Fuß im Regen bis ins Arbeitslager Novisad zurückgelegt. Hier trafen sie auf die bereits zuvor verschleppten Tscheber.

1944 – Dezember: Deportation von Tscheber Männern nach Russland

Am 24. Dezember 1944 verkündete der stellvertretende Lagerkommandant des Arbeitslagers Novisad den Internierten lauthals: Der Weihnachtstag ist arbeitsfrei. Doch welche Überraschung! Es erschien bald darauf russisches Militär. Die Tscheber Männer von 16 bis 60, die am 16./18. November 1944 aus Tscheb verschleppt wurden, wurden abgesondert und untersucht. Vielen stand der weite Weg nach Russland bevor. Sie und andere Männer aus vielen Orten der Batschka wurden von Novisad mit Kleinwagen „Kubischwagen“ bis Titel verbracht. Hier wurde übernachtet. Dann ging es mit der Fähre über die Theiß und mit Bauernwagen bis Betschkerek/Banat. Nach ein paar Tagen ging es mit dem Zug nach Modosch/rumänische Grenze. Dort wurden alle nach 1-2 Tagen einwaggoniert und am 1. Januar 1945 begann der lange Transport in Viehwaggons, die nur notdürftig mit Stroh versehen und mit 30 bis 45 Personen belegt wurden, nach Toschkowa in die damalige Sowjetunion (Russland). Die Fahrt dauerte insgesamt 20 Tage. Tief im russischen Winter bei ein Meter hohem Schnee erreichte man das Lager Toschkowa. Von dort ging es in die Kohlengrube von Solotoj und schließlich nach Karbonit. In der Kohlengrube wurde schwere und harte Arbeit gefordert.

1944/45: Enteignung der Familie Dundjerski

Die Familie Dundjerski wurde von den Tito-Partisanen ihres gesamten Vermögens in Tscheb enteignet. Heute jedoch rühmt die jugoslawische Presse einzelne Mitglieder der Familie als „Architekten“ des neueren Wirtschaftslebens in der Batschka und als „Wohltäter“.