Das alles ist längst Geschichte!


Die Gemeinde Tscheb mit ihrer Gemarkung liegt 85m über dem Meeresspiegel und ist eben, soweit das Auge reicht. Nur das „Riet“, das ehemalige Überschwemmungsgebiet der Donau, ein etwa zwei km breiter mit der Donau parallel laufendes Feuchtigkeit-Gebiet liegt etwa zwei bis drei tiefer als der Ort und seine Gemarkung. Wollte man einen Gesamtüberblick von der Gemeinde gewinnen, dann musste man die Mühe auf sich nehmen und den 28m hohen Kirchturm besteigen. Von hier oben erkannte man auch die geschichtliche Konzeption und die Entwicklung der Gemeinde. Ausgangspunkt der Ansiedlung (1801) war das „Kastell“, links davon in südlicher Richtung, die Pfarrkirche und rechts davon, der Pfarrkirche gegenüber, das „Gemeindehaus“ (Rathaus) und die Schule. Zwischen Pfarrkirche, Rathaus, Schule und Kastell erstreckte sich eine ansehnlich, hübsche Parkanlage mit großen alten Lindenbäumen – wahrscheinlich noch aus der Zeit der Ansiedlung – Sträuchern, Rosenhecken und Blumenbeeten. Es war ein Gemeindezentrum, das einer Stadt Ehre gemacht hätte. Zu Füßen dieses Zentrums erstreckt sich gleichmäßig links und rechts in Richtung Süden, der Donau zu, die Gemeinde. Die Straßen, die alle in dieses Zentrum münden, erweisen sich nicht nur als gerade, sondern auch im Vergleich zu deutschen, österreichischen oder italienischen Verhältnissen als sehr breit. In der Mitte führte der „Fahrweg“, zu dessen beiden Seiten ein breiter Streifen mit großen Nuss-, Maulbeer- oder schlanken Akazien Bäumen bepflanzt war. Parallel dazu ging direkt an den Häusern entlang der Gehweg – zumeist mit roten oder gelben Backsteinen bepflastert. Oft staunte der Besucher über diese in großzügigem Ausmaß angelegten Straßen und über die Sauberkeit der donauschwäbischen Dörfer in der Batschka.


Unser Tscheb – das deutsche Dorf – 28 km von Neusatz (Novi Sad) liegt auf einer sanften Anhöhe, eingebettet inmitten einer idyllischen Landschaft von weiten Feldern, Hopfen- und Weingärten umgeben. Bekanntlich eine „Privatsiedlung“. Dadurch waren unsere Ansiedler von Anfang an mehr auf sich selbst angewiesen und mussten so ihren Kolonisten-Geist unter Beweis stellen.

Stefan Ferger, Graz (8. Heimatbrief / Dezember 1979)

Weitete der Betrachter vom Kirchturm aus seinen Blick nach dem Süden, so entdeckte er den etwas tiefer als die Gemeinde gelegenen Landstrich zwischen Gemeinde und Donau, das „Tscheber Riet“ mit seinen bunten Wiesen, darin da und dort eine alte Weide, Schilfgruppen und wie große stille Augen, den „ersten“, den „zweiten“ und den „breiten Teich“ sowie den langgezogenen „Rohrgraben“. Dieses Riet war reich an Heilkräutern und ein Paradies für Singvögel, Wassertiere und Kleinwild. Es blieb für jeden Besucher ein überwältigendes und unvergessliches Erlebnis, hier an einem Maitag in aller „Herrgottsfrüh“ die Vögel aus tausend Kehlen singen zu hören oder an einem Hochsommer Abend dem unendlichen Chor der Frösche zu lauschen oder im Herbst die für den Vogelzug sich sammelnde Menge von Störchen zu bestaunen. Ließ man den Blick noch weiter nach Süden schweifen, so entdeckte man hinter dem 1925 verstärkten „Donau-Damm“ – dem höchsten Berg Tschebs – und einem schmalen Gürtel knorriger Weiden und schlanken Espen die majestätische Donau. Dieser größte Fluss Europas erreichte unsere Gemarkung nach einer sanften Linksdrehung, fließt in gerader Linie ihrer entlang und verlässt sie wieder in einer Linksdrehung. Die Breite beträgt bei normalem Wasserstand hier ca. 900 – 1.000m und die Tiefe ca. 16-20m. Hier unten bot sich dem Betrachter ein romantisches Bild.


Tscheb ist ein reines Schwabendorf und hat außer einer großen Hanffabrik noch eine Bierbrauerei. Der Eigentümer dieser Betriebe ist auch Großgrundbesitzer, und wie aus der Sage hervorgeht, war sein Urgroßvater ein Schafhirt, der bei Ausgrabungen eine große Kiste Gold fand.

„Napred Matzl“ (vermutlich aus Palanka), ein tüchtiger Schiffs- und Steuermann auf dem Passagierdampfer „Napred“ Quelle; Adalbert Karl Gauss (Buch „Palanka“, S. 119, 1958, Pannonia-Verlag, Freilassing)

Im Westen stand die Fischerhütte, die Notunterkunft der Fischer und „Fischhüter“, daneben die „Tscharda“ – Gaststätte – auf Pfählen, am Ufer die Kähne und stromabwärts in der „Rinne“ der Donau die schmucken Donaumühlen, wie schwimmende Häuser, manchmal bis zu sechs an der Zahl. Im Westen erstreckt sich von der „Fischerhütte“ bis in die Gemarkung von Palanka die Insel „Nyulsziget“, zu deutsch: die Haseninsel. Das Ufer der Insel ist teils steil abfallend, teils sanft sinkend, so dass man auf den weichen Sandbänken weit in die Donau hinein gehen konnte. Über der Insel lag ein Hauch rauer Natur,vor allem wegen des dichten Waldes. Das Donauufer war das Ausflugsziel aller Tscheber. Es hatte seinen Reiz zu jeder Jahreszeit.


Tscheb hatte zeitweise auch eine eigene Schiffstation. Die Schiffe hielten für den Personenverkehr an. Dem Güterverkehr auf dem Wasser war die Gemeinde immer angeschlossen. So standen oft „Schlepper“ am Donauufer, um die Erzeugnisse des Grundherren und der Landwirte aufzunehmen, wie Weizen, Zuckerrüben, Mais oder Hanf u.a.m. Sehr oft lieferten auch Flößer das Holz auf dieser Wasserstraße den heimischen „Holzhandlungen“. Auch das war Tscheb!

Nikolaus Grieser (Festschrift zum 25jährigen Bestehen des Tscheber Heimatausschusses im Dezember 1996)

Hielt der Betrachter noch weiter nach dem Süden Ausschau so entdeckte er „über der Donau“ eine ebenfalls dicht bewaldete Insel, darüber die „alte Donau“ und schließlich den Berg Syrmiens, die Fruska Gora. Bei guter Fernsicht erkannte das Auge deren reiche Obst- und Weingarten Hänge. An diesem rechten Ufer der Donau befinden sich die aus der Zeit der Römer stammenden Festungsanlagen von Ilok (14 km) und Peterwardein (30 km). Beide spielten auch eine bedeutende Rolle während der Türken-Kriege. Im Westen präsentierte sich dem Auge der „Eichelwald“, der nur 3 km von der Gemeinde entfernt, jedoch zur Gemarkung Backa Palanka gehörte, im Norden der nach seinem Besitzer benannte „Dundjerski-Wald“ und als dessen Fortsetzung der „Akazien-Wald“. Die Gemarkung durfte deshalb als sehr waldreich bezeichnet werden. Mit dem Blick nach Osten schließt sich der Kreis des Rundblicks. Hier erkannte das Auge die weiten und „fruchtbarsten „Felder“ der Gemarkung, während sich auf dem „Sandhügel“ und um die nach Glozan führende Straße die „Weingärten“ gruppierten. Die ganze Gemeinde wurde seit ihrem Bestehen durch ein gutes Verkehrsnetz erschlossen. Fünf Straßen führen aus der Gemeinde. Die eine verbindet die Gemeinde mit der Kreisstadt Backa Palanka (12 km) und führt weiter nach Sombor, Baja, Budapest. Die andere führt nach Glozan (4 km), Novi Sad (28 km) und zum internationalen Verkehrsnetz nach dem Süden bzw. dem Norden. Den heutigen Verkehrsbedingungen entsprechend sind aber nur diese drei Straßen gut ausgebaut. Die übrigen drei Straßen, nach Gjadobra (12 km), Bulkes (14 km) und Petrovac (12 km) waren breite Feldwege. Petrovac ist aber auch durch die gut ausgebaute Straße über Glozan zu erreichen. Pfarrer N. Burger (11. Heimatbrief / Dezember 1982)