Donaumühlen

Tscheber Donau-Müller fuhren mit der Zille das Mehl aus der Mühle. Die Mühlen standen auf dem Donaustrom, dort wo das Wasser die stärkste Strömung hatte. Mitunter standen bis zu zehn Mühlen im Abstand von 150 Meter auf dem Donaustrom. Donaumühlen waren Hausboote mit einem fest verbundenen Auslegerboot, dazwischen befand sich das mehrere Meter breite Wasserrad für den Antrieb der Mühle. Während der Wintermonate wurden die Mühlen wegen Treibeis Gefahr in einen Winterhafen gebracht. Das Wasser erreichte während dieser Zeit seinen Tiefstand, so dass die Mühlen dann manchmal trocken standen. Bei dieser Gelegenheit wurden sie gleich instand gesetzt und produktionsfähig gemacht.

Die Mühlen schwammen auf der Donau und sahen einem schwimmenden Haus ähnlich.

Es geschah auch mal, dass der Winter sehr streng war und das Eis so stark wurde, dass Mühlen, die nicht richtig abgesichert waren, zerquetscht wurden. Es gab dann eine Niederlage (Verlust) für den Mühlen-Besitzer. Waren es mehrere Besitzer – wie es oft der Fall war- so war der Schaden für den Einzelnen nicht so groß. Es gab auch Tote durch Ertrinken. Der Müller Andreas Delinger und seine Frau Katharina geb.Welsch sind beim Mehl-Transport mit der Zille auf der Donau von einem schweren Unwetter überrascht worden. Die Zille sank und die Müllersleute konnten sich nicht an das Ufer retten. Josef Weiß ist – wie einige andere Tscheber Donaumüller, deren Namen mir nicht bekannt sind – auch in der Donau ertrunken.


Wenn jemand mit irgend einem Besitz geprahlt hat, sagte man darauf in Tscheb gerne: „Ja, ja, hinter den Donaumühlen“.

Kindheitserinnerung von Hans Welsch, Pfaffenhofen

Schwimmen in der Donau


Die Tscheber Donaumüller

Die Tscheber Donaumüller fuhren mit dem Kahn das Mehl aus der Mühle.Die Mühle stand auf dem Donaustrom, dort wo das Wasser die stärkste Strömung hatte. Mitunter standen bis zu zehn Mühlen im Abstand von 150 Metern auf dem Donaustrom. Die Antriebskraft wurde durch die Strömung mittels eines großen Wasserrades erzeugt. Während der Wintermonate wurden die Mühlen wegen Treibeisgefahr in einen Winterhafen gebracht. Das Wasser erreichte während dieser Zeit seinen Tiefstand, sodass die Mühlen dann manchmal trocken standen. Bei dieser Gelegenheit wurden sie gleich instand gesetzt und produktionsfähig gemacht. Es geschah auch mal, dass der Winter sehr streng war und das Eis so stark wurde, dass Mühlen, die nicht richtig abgesichert waren, zerquetscht wurden. Es gab dann eine Niederlage (Verlust) für den Mühlenbesitzer. Waren es mehrere Besitzer – wie es oft der Fall war – so war der Schaden für den Einzelnen nicht so groß. Es gab auch Tote durch ertrinken. Der Müller Welsch und seine Frau sind beim Mehltransport ertrunken. Josef Weiß ist – wie einige andere Tscheber Donaumüller, deren Namen mir nicht bekannt sind – auch in der Donau ertrunken. (Josef Seider (+) im 24. Tscheber Heimatbrief / Dezember 1995)


Eine Donaumühle auf der Donau bei Tscheb. Die Bauern brachten ihr Getreide aus Tscheb und aus den benachbarten Gemeinden zum Mahlen.

Schiffsstation an der Donau

Die Gemeinde hatte seit 1894 zeitweise eine eigene Schiffstation. War diese wegen Hochwasser oder aus anderen Gründen geschlossen, so hielten die Schiffe doch für den Personenverkehr an. Die Schiffsreisenden mussten in diesem Falle mit dem Kahn zum Schiff gebracht bzw. von dort abgeholt werden, was aber nicht ungefährlich war. Dem Güterverkehr auf dem Wasser war die Gemeinde immer angeschlossen. So standen oft Schlepper am Donauufer, um die Erzeugnisse des Grundherrn und der Landwirte aufzunehmen, wie Weizen, Zuckerrüben, Mais oder Hanf u.a.m. Sehr oft lieferten auch Flößer das Holz auf dieser Wasserstraße den heimischen Holzhandlungen.


Donau bei Tscheb (Dampferllinie Neusatz-Vukovar) Jeden Tag fuhr die Nabred, ein Personenschiff, von Novisad nach Vukovar und zurück. Sie hielt in Tscheb an, und nahm hier Passagiere mit, die mit ihren Waren in den Sommermonaten auf den Markt in Novisad gingen oder Verwandte in den umliegenden Dörfern besuchten.

Der Donau-Dammbruch im Jahre 1924

„Ich war damals 13 Jahre alt. Ich entsinne mich aber noch sehr gut auf das Geschehene. Es herrschte eine sehr regnerische Zeit. Das Wasser der Donau schwoll von Tag zu Tag. Die Wellen schlugen schon bis zur Mitte des Dammes. Die Gefahr wurde erkannt. So mussten alle, die über ein „Fuhrzeug“ verfügten, Dienst tun. Auch Arbeiter wurden herangezogen. Ja, sogar das jugoslawische Militär tat Dienst. Wir hatten die Aufgabe, Sand und gefüllte Sandsäcke an den Damm zu fahren. Es war 4 – 5 Tage vor dem Dammbruch. Mein Vater sollte mit 2 Wägen Dienst leisten. Da er selbst nicht konnte, musste ich für ihn einspringen. Unser „Knecht“ Valo Andris, der aus Glozan stammte, war mit dabei. Man konnte zu dieser Zeit schon feststellen, dass der Damm an mehreren Stellen durchgeweicht war und das Wasser da und dort durchsickerte. Zu diesen Stellen mussten die Sandsäcke gebracht werden. Wir hatten den ganzen Tag über Angst. Die Gefahr, dass der Damm bricht, war handgreiflich nahe. So stand auch ein Hornist bereit, in dem Augenblick Alarm zu blasen, wo die Katastrophe hereinbricht. Wir hatten daher die Anweisung erhalten, in diesem Fall, das „Ried“ auf schnellstem Wege zu verlassen. Der Damm riss dann am 18. Mai 1924 um 7.30 Uhr ein. Es war an einem Sonntag. Die Leute befanden sich im Hochamt. Kaum, dass der Gottesdienst begonnen hatte, erschien in der „Mittelgasse“ der berittene Hornist und blies in sein Horn. In der Kirche ertönte ein Ruf: „Der Damm ist eingerissen!“ Und die Menschen strömten an allen Türen hinaus. Man hatte Angst, auch das Dorf könnte überflutet werden. Andere eilten noch ins „Ried“, um dort zu retten, was noch zu retten war. Meine Eltern hatten dort verhältnismäßig viel Hanf zum Rösten gehabt. Die ganze Familie und alle Taglöhner eilten hinunter. Wir konnten aber kaum noch etwas von dem Hanf retten. Der allermeiste wurde von den Fluten weggerissen. Das Wasser stieg in schneller Eile. Ich entsinne mich auch noch darauf, dass einige Tage vor dem Bruch des Dammes zwei Pferde in den Fluten ertranken. Es waren dies die Pferde des Bauern Josef Mayer aus der Bauerngasse.“ (Paul Erni, Ungarn im 10. Tscheber Heimatbrief / Dezember 1981)

Ergänzungen von Franz Nachbar, Maximiliansau:
Vorbemerkung: Paul Erni zählte zu meinen Kartenspiel-Freunden in der ehemaligen Heimat. Durch meine Ergänzungen und Klarstellungen zu seinem Bericht möchte ich ihn in keiner Weise beleidigen oder diskreditieren. Ich möchte bloß der Wahrheit die Ehre geben. Paul Erni dürfte damals ein Junge von 12-13 Jahren gewesen sein und daher die Ereignisse von 1924 mit denen von 1926 leicht verwechselt oder durcheinander gebracht haben. Also nichts für ungut! „Der Donau-Damm ist nicht am Sonntag, den 16. Mai 1924 um 7.30 Uhr gebrochen, sondern vermutlich schon um Mitternacht von Samstag auf Sonntag. Die genaue Uhrzeit kennt niemand. Es war niemand dabei. Doch an diesem Sonntagmorgen um 7.30 Uhr zog der Verwalter des Gutsherren Dundjerski, Nikolic, mit großen Herden von Rindern, Ochsen, Kühen, Pferde usw. durch die „Mittelgasse“ zu den herrschaftlichen Stallungen und kündete es nach links und rechts: Der Damm ist gebrochen! Bei dieser Weitergabe von Mund-zu-Mund gelangte die Kunde hiervon bis etwa 10.00 Uhr auch zu dem Hornisten der Feuerwehr, Peter Scherer. Er blies dann auch sofort Alarm – und dies auch vor dem Gotteshaus. Daraufhin verließen viele junge Männer das „Hochamt“ mit Schrecken, dass es irgendwo einen Brand gibt. Derartige Brände ereigneten sich jährlich 2-3mal. Es herrschte große Unsicherheit und Aufregung, denn niemand konnte sagen, wo es einen Brand gibt. Um die Mittagszeit kamen die Amtsboten, die „Kleinrichter“ und trommelten aus, von der „Ersten Gasse bis zur Mittelgasse“ der „Balger Sepp-Vetter“ und von der „Bauerngasse bis zur Letzten- und Fabrikgasse“ der „Beck-Michel-Vetter“: „D“r Damm is eigriss; niemand soll ins Riet gehn; es besteht große Gefahr! Während des ganzen Vormittags war der Verwalter Nikolic mit seinen „Bereschen“ (Knechten) unablässig bemüht von den Herden seiner Herrschaft an Schweinen und Büffel zu retten, was zu retten war. Ab der Mittagszeit nahmen sie wegen der Gefahr der herannahenden großen Wasser-Massen den Weg nicht mehr über das Riet, sondern direkt Richtung Glozan und von dort nach Tscheb. Der Bruch des Dammes ereignete sich bei Begec, etwa 10-12 km von Tscheb entfernt. Das Riet füllte sich bis gegen Abend. Am nächsten Morgen war das ganze Riet von Tscheb bis Begec zu einem einzigen großen See geworden. Die Stallungen und das Wohngebäude vom „Nikolic-Salasch“ (Ausiedlerhof) waren bis zur Decke unter Wasser. Mitten im Riet stand die „Rosshalterhütte“, die Notunterkunft für Zuchtstuten und Fohlen, sie stand auf Pfählen und ihre Maße betrugen etwa 50×8 Meter. Auch dieses stand bis zur Hälfte des Daches, das mit Rohr (Schilf) gedeckt war, unter Wasser. Hier entdeckten die Donaumüller am nächsten Tag, als sie mit ihrem Kahn vorbei fuhren, an einem Ende der Dachkuppel einen Wildhasen und am anderen einen Fuchs (in der Gefahr verträgt sich alles!). Sie könnten in der Pfanne eines „Wilderers“ gelangt sein! Ich würde mich freuen, wenn mir jemand darüber Bescheid geben könnte. Im Spätsommer 1924 ging dann das Wasser wieder zurück. Die Bruchstellen des Dammes wurden geschlossen und im darauffolgenden Jahr – 1925 – wurde der Damm wesentlich verstärkt. Der Fuß des Dammes wurde um 10 Meter verbreitert und die Höhe um 1 Meter höher gesetzt. Im nächsten Jahr – 1926 – passierte dann folgendes: Im April und Mai kam wieder das Hochwasser und diesmal um 120 cm höher als 1924. Das Wasser reichte genau bis zu der Stelle, war der Damm aufgefüllt wurde. Der neue Grund (Boden) war aber mit dem seitherigen noch nicht genügend verwachsen. So wurde der neue Damm auf der ganzen ausgebesserten Strecke „schwabbelig“ (weich) und die Gefahr eines erneuten Bruches war gegeben. So wurde, wie P. Erni richtig berichtet, Alarm in Tscheb, Glozan und Begec gegeben. Aus jeder Haushaltung musste eine Person mit Spaten oder Schaufel ausgerüstet und die Bauern mit Ross und Wagen zum Notdienst antreten. Es wurden Sandsäcke gefüllt und an den weichen Stellen angebracht. Die Zimmerleute der Herrschaft, Gruber Hans, Gari Franz und Balger Hans mit ihren Gesellen fertigten Spundwände aus Bauholz und Pfosten von 5 cm Stärke wurden in den Boden getrieben.Und der Damm hielt dem Wasser stand! Der Druck des Wassers war aber so stark, dass es im Riet an manchen Stellen wie aus einer Bergquelle hervorsprudelte. Und genau an einer solchen Stelle verunglückten die zwei Pferde von Mayer Josef. Doch die Herrschaft war so großzügig und ersetzte ihm die Pferde. Hinzugefügt sei noch, dass unsere Gemeinde in ihrer seitherigen Geschichte nie Hochwasser gefährdet war. Die Standortwahl der neuen Siedlung im Jahre 1801 war eine glückliche. Alle umliegenden Gemeinden, Glozan, Begec, Futog, Gajdobra, Neugajdobra, Bulkes und Palanka liegen um 2-3 Meter tiefer als Tscheb. Sie wären eher geschwommen als unsere Gemeinde.“ (11. Tscheber Heimatbrief / Dezember 1982)


Die Tscheber Donaufischer

Täglich, in den frühen Morgenstunden, gingen die Tscheber Fischer zur Donau an die Tscharda bei Tscheb. Es waren etwa 5-6 Männer, der Guld-Fischer, der Mayer- Fischer, der Trenz-Fischer u.a. Von dort fuhren sie mit ihren Zillen hinaus in ihr Fangrevier, meist Richtung Gloczan – Futok – Neusatz, und warfen ihre großen Wurfnetze aus. Mit viel Geschick konnten die (vorhandenen) Fische mit diesen Netzen sofort eingefangen werden. Gelang dies nicht auf Anhieb, musste der Versuch wiederholt werden, so lange bis genug Fische gefangen waren. Manchmal konnte das lange dauern. Bei den Reusen (Körbe zum Fischfang) musste man warten. Die wurden deshalb auch schon am Vortag gesteckt und am nächsten Morgen geleert. Am Freitagvormittag liefen die Frauen der Fischer (Fischweiwer) mit „Stokarren“ (Schubkarren) durch die Tscheber Gassen und boten die frischen Fische an, die ihre Männer am Morgen gefangen hatten. Auf einer Seite einer Gasse liefen sie rauf, auf der anderen runter und riefen dabei: „Fiiisch!, Fiiisch! Ribe, Ribe!“ In ihren Körben lagen frisch gefangene Karpfen, Weißfische, Hechte, Aale, „Gareisle“ usw. Nach den „Fiiisch-Rufen“ kamen die Tscheber Hausfrauen mit ihren Schüsseln und Geld aus den Häusern. Je nach Wunsch konnten die Fischerfrauen mit ihren mitgeführten Waagen Gewicht und Fischsorte abwiegen. Dann wurde in den Haushalten Fischpaprikasch (Fischgulasch) gekocht oder es gab ausgebackenen Fisch, oft Karpfen. Beim Durchschnittsbürger war in Tscheb am Freitag „Bohnentag“ (Bohne und Nudel), „narr die bessre Leit henn am Freidag Fisch gess, bloß an Karfreitag henn alli Leit Fisch gess“ so Hans Welsch. Und Katharina Meixner-Heilig weiter: Ebenso gab es an „Adam und Eva“ (24. Dezember) Fisch bei uns zu essen. und Milchbrot (einfacher Hefezopf). Es war nämlich auch ein Fasttag. Die Kinder haben tagsüber oft nur „Blatschguggruz“ (Popcorn) gegessen. Einmal in der Woche, am Donnerstagmorgen, boten die Fischer auf dem Piaz (Wochenmarkt) an der Kirche in Tscheb selbst ihre Fische an. In der Früh, ab 7.00 Uhr, konnte man dort an den Marktständen schon einkaufen. Die Slowaken kamen aus Gloczan und boten verschiedenes Gemüse, wie Spinat, Salat, Kartoffeln, Mohn, Nüsse, Wassermelonen, Zuckermelonen u.a.m. an. Aus Begec kamen die Serben mit Paprika, Kraut und allerlei aus Garten und Feld. Auch Haushaltswaren (Töpfe, Geschirr etc.) wurden feilgeboten. Die Tscheber Drechsler verkauften Kochlöffel, Nudelwalker, Nudelbretter, Kartoffelstampfer, Holzschlappen für den Stall und manches andere noch. Unter der Woche kam regelmäßig ein Fischhändler aus Neusatz mit einem motorgetriebenen Boot, an dem ein Kleinkahn hing, an die Donau bei Tscheb. In diesen Kahn, der an den Seiten Löcher hatte, durch die der ständige Wasserstrom Waser durchfließen ließ, kamen die Fische hinein, damit sie lebend blieben. Der Händler kaufte von allen Ortschaften die Fische auf, die nicht verkauft worden waren und transportierte sie auf diese Weise dann frisch zu seinen Kunden. Es waren die Wirtschaften und Hotels in der Stadt. Eine Redensart in Tscheb war: „In den Monaten, in denen ein ‚r‘ im Monatsnamen vorkommt, soll man Fische essen“, dann sind die Fische gut! Man aß nur frischen Fisch aus der Donau. Die Kühltruhe war noch nicht erfunden. Im Sommer, an der Müllerkerwei, dem Fest der Müller, die an den Donaumühlen Weizen mahlten, wurde an der Donau „Fischpaprikasch“ in hängenden Kesseln gekocht und viele Tscheber kamen dann dorthin zum Essen. Auch bei anderen Anlässen gingen die Tscheber gerne an die Donau, um das gute, von den Fischern zubereitete Fischpaprikasch zu genießen. Dafür wurden mindestens sieben Fischsorten verwendet. Die Fischer veranstalteten ihre Feste in eigener Regie an der Donau neben der Tscharda. Im Freien waren dort Tische und Bänke aufgestellt, auf die man sich setzte und es sich in geselliger Runde gutgehen ließ. Im Winter wurde auch gefischt. Dann mussten die Fischer in das Eis Löcher schlagen, in die sie kleinere Netze herabließen. Nach einer Zeit wurden diese mit den Fischen aus dem Wasser auf das Eis gezogen. Es war eine sehr gefährliche, oft lebensbedrohende Arbeit! (Elfriede Korol nach Erzählungen von Katharina Meixner-Heilig im 41. Tscheber Heimatbrief / Dezember 2012)