Tscheb während des Ersten Weltkriegs


1914 – 28. Juni: Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand in Sarajewo erschossen
Kronprinz Franz Ferdinand und seine Gemahlin werden von serbischen Nationalisten in Sarajewo erschossen. Über 100 Jahre blieb unserer Heimat der Frieden erhalten, wenn man von den Folgen des Bosnischen Krieges absieht. Die Mordtat in Sarajewo am Kronprinz und seiner Gemahlin entzündeten dann den Ersten Weltkrieg.

1914: Tscheber als Soldaten der k.u.k. österreich-ungarischen Armee

28 Tscheber Jahrgänge aus Tscheb (auch 17-jährige Jünglinge) wurden nun zur österreich-ungarischen Armee eingezogen, deren Kriegsherr Franz Josef II war. Der erste Sturm überzog unser Dorf im 1. Weltkrieg. 68 Soldaten kehrten nicht mehr heim. Sie sind gefallen, vermisst oder in Kriegsgefangenschaft gestorben. Andere, nicht weniger an Zahl, trugen ein Leben lang körperliche oder psychische Schäden infolge der Kriegsstrapazen oder durch Verwundung davon. Das deutsche Dorf musste sich nach diesem großen Krieg in einem neuen Staat zurechtfinden. Das war mit einem Prozess der nationalen Besinnung verbunden. 1920 wurde der Schwäbisch-deutsche-Kulturbund gegründet. 1930 kam durch die Polarisierung im Kulturbund durch die Erneuerer, schließlich der Gegensatz: Kulturbund-Christusjugend.

1915/16: Russische Kriegsgefangene kanalisieren das Tscheber Ried

Als Ersatz für die eingezogenen Männer und Jungmänner von Tscheb kamen russische Kriegsgefangene zum Grundbesitzer Dundjerski. Sie kanalisierten während des 1. Weltkrieges (von 1915-1916) das ganze Riet. Angefangen von der Hanffabrik der Dundjerskis, durchs ganze Tscheber, Glozaner und Begecer Riet wurde der „Rohrgraben“ gezogen. Er führte in Tscheb oberhalb der „Hanfwasser“ dann parallel zur Landstraße weiter und mündete in einen kleinen See, in die Tatarnica, ein. Dieser See war die tiefstgelegene Stelle des gesamten Riets und war durch einen festen Damm von der Donau getrennt. Hier wurde ein Pumpwerk errichtet. Dasselbe wurde von einer Dampfmaschine getrieben. Das Rohr hatte einen Durchmesser von 1 m, es führte durch den Damm. So konnte das Wasser von dem Riet in die Donau gepumpt werden. Die Dundjerski-Herrschaft ließ dazu noch mehrere Querkanäle ihres Rietfeldes errichten, die alle in den „Rohrgraben“ mündeten. So bestand nun keine Gefahr mehr, dass bei den einsetzenden Herbstregen die Wintersaat unter Waser gerät. Das überflüssige Wasser wurde einfach abgepumpt. In trockenen Jahren war das Riet überall fruchtbar. Es gediehen Melonen und Küchengemüse wie kaum woanders. Der Boden war schwarz (und frisch gedüngt), die Pflanzen sprossen aus jedem Zentimeter Grund. Das Pumpwerk stand unter der Aufsicht des Grundherrn Dundjerski. Nach dem 1. Weltkrieg beteiligte sich auch der Staat Jugoslawien bei der Finanzierung. (Franz Nachbar sen. / Heimatbrief Nr. 11 / 1982)

1916 – 21. Oktober: Einzug der Glocken zu Kriegsmaterial

Die schöne Tscheber Pfarrkirche verfügte über fünf Glocken. Die große Glocke, die nur an Freitagen um 15.00 Uhr zu Ehren des Leidens und Sterbens Jesus Christus, an hohen Festtagen, bei der Ankunft des Erzbischofs und bei Begräbnissen der Mitglieder des Patronatsherrn Bezeredy und Polinsberger geläutet wurde, soll einen sehr schönen, lieblichen Klang gehabt haben. Weit und breit konnte man keinen solchen Klang hören. Diese Glocke und alle anderen, bis auf die Mittagsglocke, sind Opfer des Ersten Weltkrieges geworden. Sie wurden vom Staat eingezogen und zu Kriegsgerät umgeschmiedet. Doch schon 1922, zum 100jährigen Kirchenjubiläum, wurden wieder drei neue Glocken angeschafft: Zwei Glocken wurden von zwei Tscheber Familien gestiftet, eine weitere konnte durch freiwillige Spenden gekauft werden.

1916: Gutsherr Laza Dundjerski stirbt

Gutsherr Laza Dundjerski stirbt mit 84 Jahren im Sommer 1916. Nachdem er auf seinen Wunsch das Kastell noch einmal sah, sank er dort in den Armen seiner Hausangestellten Veronika Molnár auf der kleinen Treppe, die zur Küche führt, tot zusammen. Sie sagte immer wieder: „Az öreg Ur angyal volt“ – „Der alte Herr war ein Engel“!

1918: Eigene Schule für Serben, Slovaken und Madjaren

Aus dem Steuerbuch der Gemeinde Tscheb ist zu entnehmen, dass bei der Ansiedlung im Jahre 1801 zehn serbische Familien dabei waren. Bis 1824 war ein Anstieg der Serben zu verzeichnen, dann wurde wieder ein Sinken festgestelt. Im Jahre 1906 waren es nur noch 62 Personen. Nach dem ersten Weltkrieg änderte sich das wieder. So wurden im Jahre 1921 schon 136 Serben in der Gemeinde registriert. Die Gründe hierfür sind offensichtlich. Die Batschka wurde vom Königreich Jugoslawien annektiert und damit kamen Serben als Beamte, Lehrer, Polizei usw. in die Gemeinde. Es gab auch eine Schule für die serbischen Kinder, die „Raazen-Schule“ genannt. Diese wurde auch von Kindern der Slovaken und Madjaren besucht. Es war eine einklassige Schule, in der die ersten 4 Jahrgänge zusammengefasst waren. Hier waren zwei Lehrkräfte tätig für 60 – 75 Kinder. Wieweit die Anfänge dieser Schule zurückreichen, kann heute nicht mehr festgestellt werden. Die 5. und 6. Klasse besuchten sie dann zusammen mit den deutschen Kindern. Dies erwies sich als Vorteil, da dadurch das Zusammengehörigkeitsgefühl geweckt und gestärkt wurde. Der Direktor der serbischen Schule war gleichzeitig auch der Direktor der deutschen Schule.Über schulische Konflikte zwischen den Serben und Deutschen ist nichts bekannt.

1918: Ungarische Sprache wird in der Schule abgeschafft

Für unsere Schule bedeutete die Gründung des Königreiches der Serben, Kroaten und Slovenen im Jahre 1918 eine fundamentale Änderung. Die ungarische Sprache wurde abgeschafft, an ihrer Stelle trat nun wieder die deutsche Sprache. Sie blieb mehr oder weniger Unterrichtssprache in der jugoslawischen Zeit. Die serbische Sprache war erst in der dritten Klasse mit einigen Wochenstunden Pflichtfach. In den höheren Klassen waren mehr serbische Sprachstunden vorgeschrieben und auch die Fächer Geschichte und Erdkunde sollten in serbischer Sprache unterrichtet werden.

1918: Kapitulation der österrreichisch-ungarischen Armee

Im Spätherbst 1918 erfolgte die Kapitulation der deutschen, österreichischen und ungarischen Truppen der Monarchie. Der Krieg war verloren. Tage und Wochen lang zogen damals Militär-Kolonnen, teils mit Autos, teils zu Fuß, durch Tscheb. Sie kamen aus dem Süden und jeder eilte seiner Heimat zu. Die Franzosen und Marokkaner ließen sich bei ihrem Rückzug im Dundjerski-Kastell nieder und errichteten dort ihr Hauptquartier. Unsere Väter kamen von den verschiedensten Fronten nach Hause. Einige kamen sehr bald, andere, die in Russland oder Italien waren, kamen erst Jahre später. Tscheb gehörte von nun an einem neuen Staat an. Die Gemeinde wurde an das neugegründete Königsreich der Serben, Kroaten und Slovenen (dem späteren Jugoslawien) angeschlossen. (Franz Nachbar sen., Maximiliansau, Heimatbrief Nr. 12 / 1983)