Die ersten Jahre des Zweiten Weltkriegs vergingen in Tscheb ohne besondere Not und Schrecken. Aber je länger der Krieg andauerte und an Heftigkeit zunahm, desto angespannter wurde die Lage auch in Tscheb.


1941 – Januar: Einberufung von Tscheber Reservisten in die jugoslawische Armee

Im Januar 1941 häuften sich landesweit die Einberufungen von Reservisten in die jugoslawische Armee, während der Jahrgang 1919 in dieser Zeit seinen Militärdienst dort abzuleisten hatte. Auch viele Tscheber waren betroffen. Mit dem Feldzug Deutschlands, Italiens und Ungarns gegen Jugoslawiens (5. – 18. April 1941), sahen sich somit nicht wenige unserer Landsleute in der misslichen Lage, in jugoslawischen Verbänden gegen deutsche Einheiten kämpfen zu müssen. Glücklicherweise fiel kein Tscheber, jedoch mussten drei in deutsche Kriegsgefangenschaft.

1941 – 6. April: Kriegserklärung an Jugoslawien – Folgen für Tscheb

Am 6. April 1941 erklärte das Deutsche Reich Jugoslawien den Krieg. Es war Palmsonntag. Die Anordnungen der jugoslawischen Behörde – nächtliche Ausgangssperre und Verdunkelung der Häuser – wurden genau befolgt. Waffen, Empfangsgeräte und Pferde mussten schon vorher im Gemeindehaus abgegeben werden. Noch am gleichen Tag wurden ein deutscher Lehrer und eine deutsche Lehrerin sowie ein Landwirt in Tscheb verhaftet und als Geiseln in die Festung Peterwardein verbracht. Dort wurde den etwa 800 donauschwäbischen Geiseln eröffnet, dass für jeden serbischen Bürger, dem durch die Deutsche Wehrmacht etwas zustoßen sollte, zehn von ihnen erschossen würden. Am 12. April, dem Karsamstag, kehrten die drei als Geiseln verschleppten Landsleute unversehrt nach Hause zurück. Manche der Tscheber Soldaten, die beim jugoslawischen Heer eingezogen waren, kamen erst nach Tagen heim.

1941 – 12. April: Deutsche Luftgeschwader überfliegen Tscheb

Zunächst blieb es nach der Kriegserklärung in der Region ruhig. Doch sonntags Nachmittag, gegen 15.00 Uhr, war ein dumpfes Dröhnen von der Ferne her zu hören. Deutsche Luftgeschwader überflogen den Gemeindebezirk in Richtung der Landeshauptstadt Belgrad und luden dort ihre zerstörerische Fracht ab.

Am Karsamstag, den 12. April 1941, schreckte das Aufheulen deutscher Sturzkampfflugzeuge und eine gewaltige Detonation die Bewohner Tschebs auf. Franz Bahl beschreibt die deutschen Stukas in einem seiner Bücher als „Schwarze Vögel über der Donau“. Auf der Donau wurde ein jugoslawisches Kriegsschiff angegriffen und versenkt. Ein Zeitzeuge berichtete, dass dies die „Napred“ war. Der frühere Passagierdampfer, der täglich die Dampferlinie Vukovar-Neusatz fuhr, war zu einem Kriegsschiff umgebaut worden. Als die deutschen Stukas das Schiff überflogen, seien sie von der „Napred“ aus beschossen worden. Sie kehrten um und versenkten das Kriegsschiff . Einige Matrosen konnten sich schwimmend ans Ufer retten und wurden für einige Tage im Gemeindehaus untergebracht.

In der Nacht von Mittwoch auf Gründonnerstag zogen die Jugoslawen ab. Am Morgen des Gründonnerstages waren die serbischen Beamten und Lehrerinnen aus der Gemeinde verschwunden. In den folgenden Tagen glich die Tscheber Hauptstraße einer Völker- und Heerstraße. Hunderte von Soldaten der aufgelösten jugoslawischen Armee strömten in alle Richtungen ihrer Heimat zu.

Zwölf Tage nach der Kriegserklärung des Deutschen Reiches am 18. April 1941 kapitulierte Jugoslawiens bedingungslos. Ungarn schloss mit den besiegten Jugoslawien keinen Friedensvertrag. Das Parlament in Budapest annektierte -mit Billigung des Deutschen Reiches- die Batschka durch einen Gesetzesbeschluss dem „Tausendjährigen Reich des heiligen Stephan“ und bezog sich u.a. auf die Abtrennung der Südgebiete 1920 von Ungarn und ihre Eingliederung in das „Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen“. Dies sei Unrecht gewesen, weil sie ohne Volksabstimmung von den Siegermächten erzwungen worden sei. Mit dem Übergang der Batschka und Baranya in ungarische Oberhoheit verfügte jetzt Ungarn mit 1,2 Millionen Volksdeutschen über die größte deutsche Minderheit in Südosteuropa. Aufgrund dieser Sachlage betrachteten sich die Donauschwaben der Batschka als legale Staatsbürger Ungarns und nicht des Königreichs Jugoslawiens. Nach dem 18. April 1941 erfolgte der vollständige Anschluss der Batschka an Ungarn: politisch, verwaltungstechnisch und militärisch. Die behördlichen Anordnungen kamen nicht mehr aus Belgrad, sondern aus Budapest. Die Amtssprache wechselte von serbisch zu ungarisch. Die bisherige Währung – der jugoslawische Dinar – wurde vom Pengö ersetzt.

1941 – 18. April: Tscheb und die Batschka werden wieder ungarisch

Die Tscheber waren jetzt ungarische Staatsbürger und Tscheb war ein Grenzdorf. Geschäftliche Verbindungen in die Gebiete des früheren Jugoslawiens gab es nicht mehr – es mussten neue – nun in Ungarn – geknüpft werden. Serbische oder ungarische Sprachkenntnisse waren jeweils von Vorteil – was nicht ganz einfach war, denn die jüngere Generation waren mit der ungarischen Sprache fast gar nicht, und die ältere Generation nur noch wenig vertraut. Der bisherige Tscheber Gemeinderat wurde von der ungarischen Behörde aufgelöst und als neuer, kommissarischer Richter wurde Nikolaus Mayer eingesetzt. Als Notar kam ein Ungar in der Gemeinde, der nach wenigen Monaten durch V. Tiefenbach ersetzt wurde.

1941 – 18. April: Schulische Veränderungen – auch in Tscheb

Die slavischen Lehrkräfte verließen kurz vor der Besetzung der Batschka unsere Gemeinde. Die deutsche Sprache blieb weiterhin Unterrichtssprache. Anstelle der serbischen Sprache trat nun teilweise die ungarische. Die Oberstufe der Volksschule wurde durch ein siebtes und achtes Schuljahr erweitert. Bei all den Umstellungen für unsere Tscheber Schule, die der Wechsel der Geschichte mit sich brachte, erwies sich als großer Vorteil, dass wir loyale und zum großen Teil einheimische Lehrer hatten. Ebenso ist in der ganzen Schulgeschichte unserer Heimat, kein Schulstreit oder Kompetenzgerangel zu verzeichnen.

1941 – April: Ungarischer Grenzschutz wird in Tscheb stationiert

Bald nach dem Anschluss der Batschka an Ungarn wurde der ungarische Grenzschutzes in Tscheb stationiert. Der Zug von 30-40 Mann zog in der ehemaligen „Finanz-Kaserne“ ein und sicherte bis 1944 an der Donau die neue Grenze zwischen Ungarn und dem neuen Staat Kroatien. Die Soldaten hatten ein gutes Verhältnis zu den Tscheber Einwohnern.

1941 – August: Anwerbung als Gastarbeiter im Deutschen Reich

Im August 1941 ging eine unauffällige, stille Anwerbung von jungen Arbeitskräften in der Gemeinde um. Burschen, Mädchen und junge Ehepaare ließen sich dazu bewegen, ihre Heimat zu verlassen und in Deutschland als Gastarbeiter ein Arbeitsverhältnis einzugehen. Genaue Zahlen liegen nicht vor. Bald wurden die in Deutschland arbeitenden jungen Wehrfähigen von der Wehrmacht angemustert und als Soldaten einberufen. Den neuen ungarischen Behörden blieb der Eintritt junger Batschka-deutscher in die deutschen Truppen nicht verborgen. Sie missbilligten dies „als Verletzung der ungarischen Dienstpflicht und unerlaubten Grenzübertritts“.