1918: Tscheber Männer in der jugoslawischen Armee

Von 1918 bis 1941 hatten die Tscheber Männer ihren 18-monatigen Grundwehrdienst in der jugoslawischen Armee abzuleisten (bis 1918 waren sie Soldaten der k.u.k.-Monarchie Österreich Ungarn). Zumeist waren diese Soldaten in Altserbien, Makedonien oder Montenegro. Für alle war das eine harte Pflicht. Die meisten beherrschten die jugoslawische Sprache nicht oder nur unzureichend Ausgang, Urlaub gab es bei neunmonatigem Dienst keinen, die Verpflegung ließ zu wünschen übrig und das Klima der Gegend war ungesund. So kehrten an Malaria erkrankt zwei Tscheber Soldaten vom serbischen Militär nach Hause. Ein Soldat wurde sogar beim Ableisten seines Militärdienstes im November 1924 von Arnauten (türk. Volksstamm, von den Moslem abstammend) erschossen.

1919: Prof. Dr. Jakob Bleyer wird Minister in Budapest

In Tscheb stand das Geburtshaus von Universitäts-Professor Dr. Jakob Bleyer. Er kam am 25. Januar 1874 als Kind der Bauersleute Jakob Bleyer und Veronika, geb. Stern, zur Welt. Vom Pfarrer und Kantorlehrer als begabter Bub erkannt wird er elfjährig zuerst nach Neusatz (Novisad) und ein Jahr später ans Jesuiten-Gymnasium nach Kalotscha geschickt. Er schrieb damals schon deutsche Gedichte und Erzählungen, die auch veröffentlicht wurden. Nach Abwendung vom Theologiestudium studierte er an der Universität Budapest Germanistik, lehrte nach Erlangung des Doktorhutes einige Jahre an den Oberschulen in Budapest und Ödenburg. 1908 wurde er als ordentlicher Professor an die Siebenbürgische Universität Klausenburg und 1911 nach Budapest berufen. Sein wissenschaftliches Hauptanliegen sah er darin, die Zusammenhänge zwischen deutscher und ungarischer Kultur systematisch zu erforschen. Er wies an vielen Beispielen nach, dass der deutsche Kulturstrom nach Südosteuropa, vor allem nach Ungarn, über Wien geflossen ist. Die Sorge um sein schwäbisches Volk machte ihn ganz zum deutschen Politiker.

Der Heimatausschuss der Ortsgemeinschaft Tscheb beschloss am 18. Mai 1996 eine Dr. Jakob Bleyer Medaille in Gold als Verdienstorden für verdienstvolle Tscheber Personen prägen zu lassen.

1919 wurde er zum Nationalitäten-Minister im ungarischen Parlament in Budapest ernannt. Der große Christ Prof. Dr. Bleyer setzte sich leidenschaftlich für die Gewährung echter Minderheitsrechte, in besonderem Maße für seine donauschwäbischen Landsleute in Ungarn ein. Er starb am 5. Dezember 1933 in Budapest. (3. + 15. Tscheber Heimatbrief / Dezember 1974 / 1986).

1920: Wahlgesetz der Nationalversammlung Jugoslawiens

Nach dem ersten Weltkrieg änderte sich die politische Lage vollkommen. Am 20. Juli 1920 erschien das Wahlgesetz der Nationalversammlung Jugoslawiens. Wahlberechtigt waren alle Männer nach dem vollendeten 21. Lebensjahr. Die Männer hatten in der 14 Kilometer entfernten serbischen Gemeinde (Silbasch) ihre Stimme abzugeben. Die Gemeindebehörde bestimmte, welche Bauern mit Pferdegespann zu fahren hatten und wen sie mitnehmen mussten. Damit standen die Tscheber unter „sanfter Kontrolle“. Jugoslawien hatte am 28.11.1920 sein erstes verfassungsgebendes Parlament gewählt. Die deutsche Volksgruppe hattw zu dieser Zeit kein Wahlrecht.

1920: Modernisierung der „Bierfabrik“

Nachdem das „Dundjerski-Bier“ immer größeren Absatz fand, modernisierte Dr. Gedeon Dundjerski im Jahre 1920 die von seinem Vater 1894 erbaute „Bierfabrik“. 1928 – 1929 ließ er sie um das Doppelte erweitern. Anfangs wurden 80 Hektoliter Bier gebraut, jetzt waren es 200. Die Innenräume der alten Brauerei waren im römischen Stil erbaut, d.h. große gewölbte, mit Ziegeln errichtete Räume. Diese wurden in moderner Bauweise durch Betondecken ersetzt, wobei die Außenwände und das Dach unverändert geblieben sind. Den Plan dazu fertigte der deutschstämmige Architekt Filipp Schmidt aus Neuverbas.

1921: Bau der Hanffabrik

Im Sommer 1921 ließ Dr. G. Dundjerski eine moderne Hanffabrik erbauen. Diese wurde zunächst in der Form einer Aktiengesellschaft gegründet, an der der Großgrundbesitzer, mehrere Tscheber Bauern und Dr. Dembitz aus Palanka beteiligt waren.Direktor der Fabrik war der eigentliche Initiator und Planer derselben, Josef Rennert, der vorher als Buchhalter bei der Firma Matthias Bellan arbeitete. Die AG löste sich aber bald auf, Alleininhaber wurde Dr. Dundjerski. Angeliefert wurde die Hanffabrik mit Rohstängelhanf von einigen Tscheber Bauern und aus der eigenen Landwirtschaft des Besitzers, später nur noch aus dessen Landwirtschaft. Die Fabrik verfügte über ein eigenes gutes Hanfwasser, Dieses befand sich unterhalb der Fabrik in unmittelbarer Nähe . Es war der Rohrgraben, der wie aus einer Quelle aus 20 Meter Tiefe gespeist wurde und gutes, weiches Wasser hatte. Der Großgrundbesitzer hatte immer eine der besten Hanfqualitäten. Viele Händler und „Hanfmacher“ kamen, angelockt durch die gute Qualität des Hanfes, nach Tscheb.

1920-28: Wirtschaftlicher Aufschwung in Tscheb

Wirtschaftlich begann nach dem 1. Weltkrieg ein einmaliger Aufstieg für Tscheb. Unsere Bauern, die Hauptträger der lokalen Wirtschaft, investierten viel Kapital, Fleiß und Arbeit in den Hopfen- Hanf- und Tabakbau. Es begann auch eine sehr rege Bautätigkeit. Noch heute stehen viele Neu- und Umbauten aus damaliger Zeit (1922-1928). Unsere Geschäftsleute und Handwerker hatten regen Anteil an der Wirtschaft. Tscheb bekam einen Autobusverkehr und wurde (wieder – siehe das Jahr 1894) an den Schiffsverkehr an der Donau angeschlossen. Auf der Donau herrschte reges Leben. Es fuhren viele Schiffe vorbei, die aus Österreich, Ungarn, Jugoslawien, Rumänien oder Bulgarien mit Fracht und Passagieren zum Schwarzen Meer fuhren. Jeden Tag fuhr die Nabred, ein Personenschiff, von Novisad nach Vukovar und zurück. Sie hielt in Tscheb an, und nahm hier Passagiere mit, die mit ihren Waren in den Sommermonaten auf den Markt in Novisad gingen oder Verwandte in den umliegenden Dörfern besuchte

1929: Aufschwung nach der Weltwirtschaftskrise

Nach der Weltwirtschaftskrise in den Jahren 1928-1929 gab es wieder einen wirtschaftlicher Aufschwung zu verzeichnen. Er hielt unvermindert bis zum Ausbruch des zweiten Weltkrieges an. Die Hanf- und Seilerindustrie erlebte einen Boom. Neben der bedeutenden Landwirtschaft waren Unternehmen, Betriebe und Geschäfte entscheidende Faktoren der wirtschaftlichen Verhältnisse. Tscheb war von einer Vielfalt dieser Wirtschaftszweige geprägt. Besonders günstig entwickelte sich in Tscheb das Textilgewerbe. Die Vorbedingung hierfür war durch den intensiven Hanfanbau gegeben. Bereits um 1860 wurden die Erzeugnisse der hiesigen Textilindutrie in den Handel gebracht. Die Aufwärtsentwicklung hielt an. Bald gab es in Tscheb die meisten Seiler in der Batschka. Ihre Erzeugnisse waren berühmt geworden und überall gesucht. Das Geschäftsgenie Matthias Bellan begann 1887 mit dem Handel von Rohhanf in Tscheb. Durch die Patentierung sicherte er sich den Export in alle europäische Agrikulturländer.