1810: Die Tscheber bauen sich ihre erste Schule

Während manche Gemeinden der Batschka, wie Gajdobra, Kernei und viele andere, gleich bei der Dorfgründung ein Schulhaus erbaut haben, konnte das in Tscheb nicht verwirklicht werden. Márffy, dessen Pflicht es gewesen wäre, das Schulhaus zu erstellen und eine halbe Session, 24 Joch Feld, für den Unterhalt des Kantorlehrers freizustellen, war dazu nicht zu bewegen. So griff die Gemeinde, wie schon beim Kirchenbau, zur Selbsthilfe und erbaute die erste Schule. Nach dem Nachweis der Pfarrvisitationsakten bestand diese schon 1810. Wo vorher der Unterricht stattfand bleibt unklar. Ein Lehrer war, nach den Visitationsakten, schon 1802 da: Herr Anton Adam, Oberlehrer und Kantorlehrer.

1812: Erschießung des grausamen Tscheber Gutsherrn Márffy

Nachdem L. Márffy den Serben in Alttscheb durch seine ungerechten und überzogenen Forderungen einen weiteren Verbleib unmöglich gemacht hatte und diese freiweillig Ende 1800 nach Nádaly´im Tschajkaschenbezirk (Csajkások) übersiedelten, ließ er deren Haus- und Hofplätze unverzüglich „zu Äckern umpflügen“. Das war das Ende von Alttscheb (1841 ließ der spätere Grundherr Bezeredy, dort ein Feldkreuz errichten, dass an die Existenz und das tragische Ende von Alttscheb erinnern sollte; es war aus Stein und bestand bis in die letzten Tage). Der Genuss des Alleinbesitzes blieb aber dem Ausbeuter Márffy nicht lange gegönnt. 1801 erließ die Königliche Stadthalterei in Ofen eine strenge Verfügung an die Komitatsbehörde in Batsch. Es sollte baldigst ein Protokoll aufgenommen werden, warum Márffy mit den serbischen Leibeigenen nicht ausgekommen ist. Er wurde gedrängt, dass die 70 Sessionen umfassende Gemeinde Tscheb mit neuen Bewohnern angesiedelt werde. Wohlwollende Freunde rieten ihm zu der dann vorgenommenen, neugegründeten Siedlung Neu-Tscheb mit einigen ihm gut gesinnten serbischen Familien aus Alttscheb und den deutschen Ansiedlern, die doch „sanfterer Natur seien und weniger Konflikte heraufbeschwören“.

„Einen Lichtschimmer brächte die Angabe des Sterbematrikels des Tscheber Pfarramtes, das die Titel Márffys aufzählt und ihn u.a. „aequus aureatus“ – „Ritter vom goldenen Flíeß“ nennt. Das aber ist ein sehr hoher und sehr seltener Titel. Zu den Privilegien der „Ritter vom goldenen Fließ“ dürfte es auch gehört haben, dass diese von einem gewöhnlichen Gericht nicht belangt werden konnten. Dies wäre eine Erklärung, warum Marffy sich seiner hohen Stellung bewusst, so grausam und gewissenlos sein Unwesen mit seinen Tscheber Untertanen trieb“.

(Pfarrer N. Burger Heimatbrief 10 / Dezember 1981)

Márffy war ungarischer Nationalität Er wurde 1791 vom Baranyaer Komitat geadelt. Er erhielt den Titel „Ritter mit goldenem Sporn“ vom ungarischen König, in Personalunion auch Kaiser von Österreich. Er wurde 1802 als „Abgeordneter“ ins Parlament nach Buda gewählt. Er war einer der angesehensten Grundherren in der Süd-Batschka. Die Rechtsstruktur Ungarns war zur Zeit der Ansiedlung der Deutschen in Neu-Tscheb eine anere als die Österreichs. Das ungarische Recht kannte immer nur noch Adelige und Leibeigene. Nur der Adelige hatte Rechte. Der Leibeigene war an die Scholle gebunden und durfte ohne höhere Erlaubnis nicht einmal seinen Aufenthaltsort wechseln Márffy erwies sich als ein unnachgiebiger Repräsentant dieser alten madjarischen Feudaltyrannei. Die deutschen Siedler fühlten sich noch mehr als die Serben in ihren Rechten geschmälert und hintergangen. Sie stürmten 1802 das Schloss den Gutsherrn in Tscheb, zerschlugen Fenster und Türen und zertrümmerten, was sie vorfanden. Márffy flüchtete nach Palanka und bekam Schutz von der Komitatsbehörde. Bei ihr erstattete die Gemeinde ein Jahr später, im Mai 1803, eine Anzeige gegen Márffy´. Die Anklageschrift in lateinischer Sprache zeigt sein permanentes unmenschliches und gesetzeswidriges Handeln, dass den Unfrieden herausbeschoren hat. Aus einer anderen Anklageschrift ist zu erfahren, dass er Mädchen geschändet hat, Kinder und schwangere Frauen an Bäume anbinden, auspeitschen und erschlagen ließ.

12 Jahre lang währten die Leiden der deutschen Ansiedler. Marffy hatte sie bis ins Unerträgliche getrieben. Länger wollten sie Unrecht, Ausbeutung, Tyrannei und Demütigungen nicht mehr hinnehmen. Protest und Rechtsweg verhalfen nicht zum Recht und so wollten sie es sich selber verschaffen.

Unter der Anführung des 29jährigen Josef Ferger schlossen sich 12 weitere Tscheber Männer zusammen. Am 12. September 1812 kam es zur Ausführung des geplanten Attentates. Marffy kehrte von einer Reise nach Budapest heim. Als sein Pferdegespann auf sein Tscheber Gut einbog, schossen die Attentäter. Elf Kugeln trafen den Tyrannen und Márffy war auf der Stelle tot.

3 1/2 Jahre blieben die Täter unerkannt. Dann trugen sie selbst bei feuchtfröhlicher Unterhaltung in einer Czarda (bei der ein Beamter auch in der Wirtsstube gesessen haben soll) dazu bei, dass ihre Namen aufgedeckt wurden. Alle kamen ins Gefängnis, wo sie auch starben. Kein einziger sah seine Familie, seine Angehörigen und seine Heimat wieder. Josef Ferger, der Anführer, wurde an der gleichen Stelle, an der Márffy erschossen wurde, öffentlich geköpft.

1812: Tscheber Gut wird verpachtet

Nach Márffys Tode 1812 verpachtete die Kammer das Tscheber Gut an den „Königlichen Fiskal“ von Palanka, Stefan Matkovics, nach Notar K. Kistner, an die Witwe Matkovics. Diese Familie blieb sechs Jahre Pächter des Gutes. Sie ließ das neue, geräumige und stabile Pfarrhaus erbauen.