In nächster Nähe, von Palanka, kaum 12 Kilometer entfernt, liegt die Gemeinde Tschib. Dieser Ort ist einer der schönsten in der südlichen Batschka, denn dort gibt es zwei schöne Parkanlagen, die in wenigen Gemeinden vorhanden sind. Der eine Park ist jener der Herrschaft, im Volksmunde auch der Herrschaftsgarten genannt, heutiger Besitzer Dr. Gedeon Dundjerski; die zweite Parkanlage ist jene vor der Kirche, ehedem Kirchenplatz genannt.

Im Jahre 1791 kaufte das Čiber Herrschaftsgut Leopold Márffy. Dieser neue Gutsherr war ein sehr strenger Mann und war gegen die Einwohnerschaft des Dorfes sehr grausam. Man entnahm aus Anklageakten die Daten, dass der junge Gutsherr, der noch unverheiratet gewesen, Mädchen schändete, schwangere Frauen und Kinder an die Pflöcke binden ließ und zu Tode martern. Bei den Robottarbeiten bekamen die Männer und Frauen täglich von den Panduren viele Stockstreiche, denn der Grundherr wollte es so haben, war auch bei solchen Akten immer zu gegen und befahl die Hiebe immer kräftiger auszuführen. Auch bei Abgabe von Zehent ging er über alles sehr ungerecht vor.

Márffy behandelte seine deutschen Untertanen so grausam, dass diese am 2. Mai 1802 sein Schloss stürmten. Der Gutsherr flüchtete nach Palanka und die erzürnte Menge schlug ihm die Fenstern und Türen im Schlosse ein und zerbrach, was sie nur finden konnte. Es kam Militär, hat Ordnung gemacht, dabei hagelte es an Stockstreichen und die „Aufständigen“ mussten aushalten.

Sein gottloser Lebenswandel hat ein trauriges Ende genommen. Mehrere Bewohner (12) von Čib, haben sich unter der Führung von Josef Ferger verschworen, den grausamen Gutsherrn auf die Seite zu schaffen.

Es war am 12. September 1812 als der Gutsherr mit Wagen von Budapest heimkehrte, und als er von der Gajdobraer Straße auf sein Gut einbog, wurde auf ihn von den Verschworenen aus dem Hinterhalt geschossen. Márffy erhielt elf Schusswunden und war auf der Stelle tot. Die Täter konnten nicht ausfindig gemacht werden. Es hat dreieinhalb Jahre gedauert bis die Verschwörer sich gegenseitig verraten hatten.

Der Rädelsführer der Verschwörung, Josef Ferger, wurde vom Gerichte auf demselben Platz geköpft, wo die Mordtat ausgeführt wurde, die anderen Mitschuldigen erhielten Kerkerstrafen von 3 bis 6 Jahren und jedes Jahr 60 Stockstreiche.

Da Márffy keine Nachkommen hinterließ, fiel das Gut dem Staate zu. Im Jahre 1819 verkaufte der Staat das Gut an Josef Pollimberger. Dieser verheiratete seine Tochter Karolin an Nikolaus Bezerédy. Anfangs wohnten die Jungen im alten Schloss, das schon Márffy erbauen ließ, welches heute als Verwalter Wohnung dient.

Bezerédy ließ in den Jahren 1834-37 das neue, heute noch bestehende Kastell, mitten im Park erbauen. Als das neue Schloss fertig und eingerichtet war, übersiedelte der Gutsbesitzer dorthin. Da die Familie des Grundherrn jedes Jahr den Winter in Budapest, im Hotel zur „Königin von England“ verbrachte, war das Kastell um diese Zeit unbewohnt und stand unter der Aufsicht von zwei Dienern der Herrschaft, die im Erdabteil ihre Wohnung innehatten.

Es war um die Weihnachtszeit 1843, als auf einmal das leerstehende Kastell um die Mitternachtsstunde im Inneren im hellen Lichterstrahle erglänzte. Man vernahm um diese Zeit ein dumpfes Gepolter aus den Gemächern heraus und aus der Ferne konnte man ganz genau eine mit weißen Tüchern verhängte Menschengestalt feststellen, die eine Zeitlang im großen Salon auf- und abging. Nach kurzer Zeit erloschen wieder die Lichter und auch die Gestalt verschwand wieder.

Im Volke wurde die Sage laut, dass die weiße Geistergestalt der Geist des ermordeten Márffy sei. Die Bewohnerschaft, zu jener Zeit noch sehr abergläubisch, schenkte dieser Mähr‘ Glauben. Man ging sogar den Pfarrherrn Johann Schwerer an, für den wandelnden Geist Márffys einen Sühnegottesdienst zu halten, damit der Geisterspuck im neuen Kastell ein Ende nehme, denn man fürchtete für die Familie Bezerédy, die im Volke sehr beliebt war, dass ihr durch das Gespenst einen Schaden zugefügt werden könne.

Der Herr Pfarrer lachte über die Albernheit seiner Gläubigen und riet es ihnen aus, daran nicht zu glauben. Um diese Zeit war in Tschib Lehrer Gregor Hepp, der schon als junger Mann ein sehr leidenschaftlicher Jäger gewesen war, der mehrere Wölfe erlegte und an den gefährlichsten Wolfsjagden teilnahm und dabei immer der war, der voranging. Auch der Lehrer hat den Bewohnern eingeredet, von ihren Gedanken abzukommen. Als er aber das nächste Mal, als das Gespenst im Kastell erschien, hinzu gerufen wurde und vom Kirchenplatze aus das Schauspiel betrachtete, besprach er sich mit dem Ortsgeistlichen, dem er versicherte, dass dahinter ein Geheimnis vorgeht, welches er zu klären versprach.

Pfarrer und Lehrer gingen zum Gutsverwalter, um über die Spukgeschichte zu beraten. Der Lehrer behauptete dem Verwalter gegenüber, dass da dahinter ein Geheimnis steckt, welches er zu enthüllen gedenke. Er erkundigte sich über die Wohnungsverhältnisse im Schloss, wer gegenwärtig daselbst wohnt, da die Herrschaft doch abwesend ist. Der Verwalter gab zu, dass nur zwei Bedienstete im unteren Erdabteil des Kastells wohnen und die Aufsicht versehen, während die oberen Wohnräume gegenwärtig ganz unbewohnt sind.

Beide Diener waren des morgens zum Einkauf nach Novi Sad gefahren und kamen erst abends zurück. Der Lehrer erbat sich vom Verwalter die Wohnräume anzusehen, damit er von den geheimen Zugängen, Tapetentüren usw. genau unterrichtet sei. Der Verwalter fragte erstaunt den Lehrer, was er denn mit diesem allem erzielen wolle und gab ihm zur Antwort, dass es ihm strengstens verboten sei, über die geheimen Ab- und Zugänge Auskunft zu erteilen. Der Lehrer gab zur Antwort, dass er sich mit seinem Ehrenwort binden wird, von allem Gesehenen nichts an die Öffentlichkeit zu bringen. Auch auf Zureden des Seelsorgers ließ sich der Verwalter endlich herbei, beide Herren in das Kastell zu führen.

Im großen Salon angekommen, besahen sie sich die wertvollen, in Glaskasten aufbewahrten Silbergegenstände. Der Verwalter wies mit einer seltenen Zaghaftigkeit auf die geheimen Ausgänge, die teils an den Wänden und teils an der Zimmerdecke angebracht sind. Der ausfindige Lehrer war sofort seiner Sache sicher, was hier für ein Geisterspuk herrschen mag und bat sich die Erlaubnis, den „Geist“ oder die „Geister“ noch heute Nacht auflauern zu dürfen. Er gab dem Verwalter bekannt, dass er nach der Danksagung aus der Kirche kommen werde, er werde das Neue Jahr im Kastell erwarten. Nach langem Zaudern stimmte der Verwalter zu.

Nach dem Gottesdienste bewaffnete sich der Lehrer mit seinem Feuersteingewehr, mit einer eben solchen Pistole und nahm noch ein Hirschfänger (Jagdmesser) zu sich. Der Verwalter ging auf geheimnisvollen Eingängen mit ihm in das Schloss und beide versteckten sich in eine Tapetentür, die ein kleines Ausguckloch besaß. Nachher kamen auch die zwei Bediensteten aus der Stadt, nahmen ihr Nachtessen und begaben sich zur Ruhe in den Erdtrakt des Kastells, von den zwei Aufpassern wussten sie nichts. Der Lehrer stand ruhig auf der Wache in der geheimen Tür auf der Lauer, während es dem Verwalter fröstelte vor Aufregung. Die Turmuhr schlug elf, die Geisterstunde war herangerückt.

Nach einer viertel Stunde vernahm der Lehrer Fußtritte, die von der Bodendecke aus hörbar wurden. Kurze Zeit darauf ging die geheime Tür in der Ecke am Plafond in die Höhe, aus der ein Lichtschimmer erstrahlte. Gleich darauf wurde eine Strickleiter herabgelassen, an welcher zwei Gestalten sich herab ließen. Beide schlichen sich in die Ecke, warfen große mitgebrachte weiße Tücher um sich, zündeten die Lüster an und führten unter einem Gejohle und Gepolter einen Geistestanz auf. Dem ganzen Vorgang hatte der Lehrer zugesehen, ihm waren die vermummten Gestalten sofort bekannt. Auf einmal näherten sich die „Geister“ den mit Silberzeug beladenen Kasten (Schränken), öffneten diese und nahmen daraus verschiedene wertvolle Gegenstände zu sich, die sie mit minderwertigen, genau nachgeahmten, vertauschten. Nun sah der Lehrer und der Verwalter den Augenblick für gekommen, wo sie eingreifen mussten. Er stieß durch einen gewaltigen Stoß die Geheimtür auf, setzte sein Gewehr schussbereit an, und kommandierte: „Hände hoch“!

Übel oder wohl, die Geister ließen die entwendeten Gegenstände zu Boden fallen, warfen sich vor dem Verwalter in die Knie und baten um Gnade. Es waren die beiden Diener. Es wurden ihnen mit zwei Hosenriemen die Hände zusammen geschnallt und in ein Verließ geworfen. Blitzschnell war am Neujahrsmorgen die Gefangennahme der beiden „Geister“ im Dorfe bekannt und viele Neugierige füllten den mit Schnee bedeckten Herrschaftsgarten um die „Wunderdinger“ zu sehen, die sie so lange in Ängsten gehalten haben.

Die beiden „Gespenster“ wurden nach Sombor zum Gericht überführt, wo sie eingestanden, dass sie bereits mehrere Silbergegenstände vordem auswechselten, und täuschende Nachahmungen aus Kunstsilber auf deren Stelle platzierten. In Novisad bei einem Tandler wurde das Geschäft abgeschlossen, bei dem sie angegeben, dass die Herrschaft in Not stehe und sehr dringend Geld benötige. Auch gaben sie noch an, man möge über die Sache das größte Stillschweigen bewahren, die Herrschaft will es so haben, dass die Öffentlichkeit nichts davon erfahre.

Die beiden Täter wurden in Sombor zu 20 Jahren Kerker verurteilt mit einer Zugabe von jedes Vierteljahr 50 Stockstreiche. Beide sind in Segedin im Gefängnis gestorben.

Für die unerschrockene kühne Entlarvung der „Geister“ wurde der Lehrer zum Oberlehrer und Schulmeister erhoben und bekam außerdem von der Grundfrau als Nutzniesung fünf Joch Feld. Von dieser Zeit angefangen glaubte in Čib kein Mensch mehr an einen Geisterspuck oder Gespenster. Deswegen blieb der Spott im Volksmunde der Umgebung für die Bewohner von Číb nicht aus, denn wo ein Tscheber sich sehen ließ, foppte man mit dem Ausdruck: „Die Geischter kumma“.


Text entnommen aus dem im Jahre 1935 in Backa Palanka erschienenen Buch „Erzählungen aus dem vorigen Jahrhundert“ / gesammelt und verfasst von Nikolaus Hepp


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