Unser Tscheb:

  > Vorwort
  > Unser Tscheb
  > Dorf-Chronik
  > Die Ortsbezeichnung
  > Einwohner
  > Persönlichkeiten
  > Ortsplan
  > Tscheber Kirche
  > Tscheber Anekdoten
  > Tscheber Berufe
  > Tscheb und die Donau
  > Tscheber Vereine
  > Musik-Kapellen
  > Flucht, Deportation, Lager & Vertreibung ab 1944
  > Tschewrisch grett
  > Geschichte ab 1945
  > Tscheber Wallfahrten
  > Tscheber Gefallene
  > Tschewrische Zahle
  > Kulturvereine & Institute

NEWS:

 
Letztes Tscheber Pfingsttreffen am Pfingstsamstag 19.5.2018 in Reutlingen

Liebe Landsleute und Freunde,
wir laden alle Landsleute aus Tscheb sowie alle Freunde und Gäste ganz herzlich zum traditionellen Heimattreffe...

» weiterlesen

Tscheber Pfarrkirche Maria Himmelfahrt 2017
Unsere Bilder zeigen die Tscheber Pfarrkirche im Jahr 2017. Innenansicht der Kirche: Das Heilige Grab - Tür hierzu wurde nur einmal im Jahr geöffnet,...
» weiterlesen

Tscheber Heimatortstreffen 2017
Nach langem Überlegen hatten wir, Elisabeth Aliđukić sowie Anna und Miroslav Fabri, uns entschlossen, von Celarevo nach Deutschland zu reise...
» weiterlesen

Der Traubenball
Im Herbst, wenn die Trauben schön reif waren, fand der Traubenball statt. Der Tanzsaal wurde mit den schönsten Trauben geschmückt; sie hingen von der ...
» weiterlesen

Erinnerungen einer Tscheberin an die Internierung als Kind - Eine grauenvolle Zeit im Hungerlager Jarek (Bački Jarak) und im Vernichtungslager Kruschiwl (Kruševlje)
Am 2. Juni 1945 sind wir, unsere Mami Elisabeth Seider geb. Bittermann (36 lJahre), mein Bruder Michael (14 Jahre), meine Schwester Elisabeth (6 Jahre...
» weiterlesen

Unsere Heimat heute - 71 Jahre nach der Vertreibung .- Reise nach Palanka–Obrovac–Tscheb/Serbien im August 2015
Der Palankaer und Obrovacer Heimatausschuss hatte die obige Busreise ausgeschrieben. Abwechslungsreiche Programmpunkte und die erfahrene und fachkundi...
» weiterlesen

From Ulm to Tscheb - 21 to 27 September 2009
I had been thinking about it for quite a while and this year I was able to make it come true.A trip together with my second cousin to a villlage in to...
» weiterlesen

Reise von Ulm nach Tscheb vom 21.-27. September 2009 - aus der Sicht eines Tscheber Nachkömmlings
Reise von Ulm nach Tscheb - 21. bis 27. September 2009 von Andrea Reibl, Berlin (Tochter von Andreas Reibl und Enkelin von Andreas Reibl sen. (Ba...
» weiterlesen

2. Gruppe Tscheber Männer in das Internierungslager Novisad


04.12.1944

Die zweite große "vorgeladene" Gruppe der Tscheber Männer, welche die 15- bis 70jährigen umfasste, musste sich am 5. Dezember 1944 im Gasthaus bei Julie Janschenitsch einfinden. Es waren die Großväter und Enkel, knapp 100 an der Zahl. Die Gruppe wurde am nächsten Tag dem großen Transport, von Palanka aus kommend, angeschlossen.. Der Weg wurde zu Fuß im Regen bis ins Arbeitslager Novisad zurückgelegt. Hier trafen sie auf die bereits zuvor verschleppten Tscheber.

Nachstehender Text ist aus dem Buch "Verbrechen an den Deutschen in Jugoslawien 1944-1948" - Arbeitskreis Dokumentation - Herausgeber: Donauschwäbische Kulturstiftung, Stuftung des privaten Rechts, München 2000, entnommen.


Zentrales Ziviles Lager Neusatz/Novi Sad

Die Partisanen ergriffen in den Südbatschkaer Bezirken und im Stadtgebiet von Neusatz eine Reihe drakonischer Maßnahmen: Als erstes ermordeten sie zwischen dem 25. Oktober und etwa dem 12. November 1944 in Neusatz im Zuge ihrer Racheaktion für die "Razzia" von 1942 hauptsächlich ungarische, dann aber auch deutsche Männer im Alter zwischen 18 und 50 Jahren. Ungarische Quellen schätzen ihre Zahl auf 10 000.

Als zweites errichteten sie schon Anfang November in Neusatz das berüchtigte Zentrale Zivile Lager für Deutsche. In ihm konzentrierten sie die arbeitsfähigen Männer und Frauen der südlichen Batschkaer Landkreise.

Das Zentrale Zivile Lager in Neusatz hatte eine besondere "strategische" Bedeutung. Es versah die Funktion eines Zentralen Arbeitslagers für alle Südbatschkaer Bezirke und stand in einem regen Austausch mit dem berüchtigten Zentrallager in Syrmisch Mitrowitz und mit dem nur wenige Kilometer nördlich von Neusatz gelegenen Vernichtungslager Jarek. Kranke wurden nach Jarek abgeschoben, und von dort einigermaßen Arbeitsfähige angefordert. Zu Weihnachten 1944 wurden hier auch Kandidaten für die UdSSR-Deportation ausgesucht.

Nach der Schilderung Leopold Rohrbachers befand sich das Neusatzer Zentrallager im sumpfigen Ufergebiet der Donau gegenüber Peterwardein. Obwohl es ständig etwa 2 000 Donauschwaben als Insassen führte, bestand es nur aus zwei fensterlosen Baracken. Zwei Etagen von Bretterpritschen dienten als Liegestätte. Der sechs Quadratmeter große "Bunker" für die Straffälligen war gemauert. Der reformierte Pfarrer Kornelius Weimann aus Neu-Schowe berichtet, dass auf jede kleine Verfehlung die "Bunker-Strafe" stand, und dass sich manche "Sträflingen" durch das lange Stehen im Wasser den Tod holten. Weimann war selbst Insasse des Lagers zusammen mit 14 katholischen Priestern und Ordensleuten. Die Geistlichen genossen im Lager eine "Sonderbehandlung", man griff sie noch härter an als die anderen. Die Verpflegung bestand die ganzenJahre hindurch aus Gersten-, Bohnen- oder Erbsensuppe, meist für alle drei täglichen Mahlzeiten, und einem kleinen Stück Brot aus Kukuruzschrft (Maisschrot).

Ab April 1946 durften die "Sklavenhändler" sich für den betreffenden Tag oder auch für eine längere Zeit Leute, auch Mädchen und Frauen, für Arbeiten herauskaufen. 80 Dinar hatten sie für einen Menschen beim Lagerkommandanten im voraus zu bezahlen, dann gehörte er für diesen Tag ihnen.

Die wiederholten Schikanen und Misshandlungen veranlassten den vormaligen Oberlandesgerichtspräsidenten Dr. Wilhelm Neuner zu einer um die zweite Jahreshälfte 1945 an das Innenministerium Belgrad gerichteten Beschwerde. Es kam ein Vertreter des Belgrader Innenministeriums in das Lager und führte eine Untersuchung durch. Dem Regierungsvertreter gegenüber erhob Dr. Neuner in Anwesenheit des verantwortlichen Sektionschefs (wohl des Innenministeriums der Autonomen Provinz Wojwodina; könnte Vid Dodik gemeint sein? Anm. d.Red.) Klage darüber, dass trotz der Beendigung des Krieges noch immer deutsche Menschen grausam behandelt und ohne Verfahren erschossen würden. Dr. Neuner wurde am 16. Februar 1946 für seinen mutigen Einspruch in den berüchtigten Bunker gesperrt. Er durchlief in der Folge noch mehrere Lager und verfasste wiederholt schriftliche Eingaben. Im Herbst 1946 schmuggelte er eine solche aus dem Lager Rudolfsgnad. Hierauf wurde er in einem kurzen Verfahren nach Ungarn abgeschoben.

Das Neusatzer Zentrallager soll erst in den letzten Märztag1948 aufgelöst worden sein. Die Insassen - angeblich noch 400 - kamen zu einem Teil als Zwangsverpflichtete auf die Kolchosen im Sumpfgebiet des Pantschowaer Rieds und in die Kohlenbergwerke Serbiens. Über die Gesamtzahl der Todesfälle im Zentrallager Neusatz liegen in den Erlebnisberichten keine Angaben vor.

Die "ethnische Säuberung" der Südbatschka (in den Bezirken Neusatz, Titel und Schabalj) von den dort ansässigen Donauschwaben war Anfang Dezember 1944 in ihrer ersten Etappe abgeschlossen, denn sämtliche Donauschwaben waren in den lokalen Arbeitslagern oder im Vernichtungslager Jarek interniert.
 


zurück

Sept. 1944: Neusatz (Novi Sad) einem schweren Luftangriff ausgesetzt
>> weiterlesen