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Rückblick: Tscheber Heimattreffen 2016
Mit Vorfreude machten meine Schwester, Katharina Benning und ich, Ellen Schwindt geb. Benning, uns am Pfingstsamstag, den 14. Mai 2016, auf den Weg zu...
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Erinnerungen einer Tscheberin an die Internierung als Kind - Eine grauenvolle Zeit im Hungerlager Jarek (Bački Jarak) und im Vernichtungslager Kruschiwl (Kruševlje)
Am 2. Juni 1945 sind wir, unsere Mami Elisabeth Seider geb. Bittermann (36 lJahre), mein Bruder Michael (14 Jahre), meine Schwester Elisabeth (6 Jahre...
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Unsere Heimat heute - 71 Jahre nach der Vertreibung .- Reise nach Palanka–Obrovac–Tscheb/Serbien im August 2015
Der Palankaer und Obrovacer Heimatausschuss hatte die obige Busreise ausgeschrieben. Abwechslungsreiche Programmpunkte und die erfahrene und fachkundi...
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From Ulm to Tscheb - 21 to 27 September 2009
I had been thinking about it for quite a while and this year I was able to make it come true.A trip together with my second cousin to a villlage in to...
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Reise von Ulm nach Tscheb vom 21.-27. September 2009 - aus der Sicht eines Tscheber Nachkömmlings
Reise von Ulm nach Tscheb - 21. bis 27. September 2009 von Andrea Reibl, Berlin (Tochter von Andreas Reibl und Enkelin von Andreas Reibl sen. (Ba...
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Tscheb und die Donau

Der Donau-Dammbruch im Jahre 1924
Erlebnisbericht von Paul Erni, Ungarn (aus dem 10.Tscheber Heimatbrief/Dezember 1981):

"Ich war damals 13 Jahre alt. Ich entsinne mich aber noch sehr gut auf das Geschehene. Es herrschte eine sehr regnerische Zeit. Das Wasser der Donau schwoll von Tag zu Tag. Die Wellen schlugen schon bis zur Mitte des Dammes. Die Gefahr wurde erkannt. So mussten alle, die über ein "Fuhrzeug" verfügten, Dienst tun. Auch Arbeiter wurden herangezogen. Ja, sogar das jugoslawische Militär tat Dienst.

Wir hatten die Aufgabe, Sand und gefüllte Sandsäcke an den Damm zu fahren. Es war 4 - 5 Tage vor dem Dammbruch. Mein Vater sollte mit 2 Wägen Dienst leisten. Da er selbst nicht konnte, musste ich für ihn einspringen. Unser "Knecht" Valo Andris, der aus Glozan stammte, war mit dabei.

Man konnte zu dieser Zeit schon feststellen, dass der Damm an mehreren Stellen durchgeweicht war und das Wasser da und dort durchsickerte. Zu diesen Stellen mussten die Sandsäcke gebracht werden. Wir hatten den ganzen Tag über Angst. Die Gefahr, dass der Damm bricht, war handgreiflich nahe. So stand auch ein Hornist bereit, in dem Augenblick Alarm zu blasen, wo die Katastrophe hereinbricht. Wir hatten daher die Anweisung erhalten, in diesem Fall, das "Ried" auf schnellstem Wege zu verlassen.

Der Damm riss dann am 18. Mai 1924 um 7.30 Uhr ein. Es war an einem Sonntag. Die Leute befanden sich im Hochamt. Kaum, dass der Gottesdienst begonnen hatte, erschien in der "Mittelgasse" der berittene Hornist und blies in sein Horn. In der Kirche ertönte ein Ruf: "Der Damm ist eingerissen!" Und die Menschen strömten an allen Türen hinaus. Man hatte Angst, auch das Dorf könnte überflutet werden. Andere eilten noch ins "Ried", um dort zu retten, was noch zu retten war. Meine Eltern hatten dort verhältnismäßig viel Hanf zum Rösten gehabt. Die ganze Familie und alle Taglöhner eilten hinunter. Wir konnten aber kaum noch etwas von dem Hanf retten. Der allermeiste wurde von den Fluten weggerissen. Das Wasser stieg in schneller Eile.

Ich entsinne mich auch noch darauf, dass einige Tage vor dem Bruch des Dammes zwei Pferde in den Fluten ertranken. Es waren dies die Pferde des Bauern Josef Mayer aus der Bauerngasse."



Zum vorstehenden Bericht schrieb Franz Nachbar im 11. Tscheber Heimatbrief/Dezember 1982 folgendes:

Der Dammbruch in Tscheb im Jahre 1924
Ergänzungen von Franz Nachbar, Maximiliansau, zum gleichlautenden Beitrag von P. Erni, im 10. Heimatbrief /Dezember1981

Vorbemerkung: Paul Erni zählte zu meinen Kartenspiel-Freunden in der ehemaligen Heimat. Durch meine Ergänzungen und Klarstellungen zu seinem Bericht möchte ich ihn in keiner Weise beleidigen oder diskreditieren. Ich möchte bloß der Wahrheit die Ehre geben. P. Erni dürfte damals ein Junge von 12-13 Jahren gewesen sein und daher die Ereignisse von 1924 mit denen von 1926 leicht verwechselt oder durcheinander gebracht haben. Also nichts für ungut!

"Der Donaudamm ist nicht am Sonntag, den 16. Mai 1924 um 7.30 Uhr gebrochen, sondern vermutlich schon um Mittenacht von Samstag auf Sonntag. Die genaue Uhrzeit kennt niemand. Es war niemand dabei. Doch an diesem Sonntagmorgen um 7.30 Uhr zog der Verwalter des Gutsherren Dundjerski, Nikolic, mit großen Herden von Rindern, Ochsen, Kühen, Pferde usw. durch die "Mittelgasse" zu den herrschaftlichen Stallungen und kündete es nach links und rechts: Der Damm ist gebrochen! Bei dieser Weitergabe von Mund-zu-Mund gelangte die Kunde hiervon bis etwa 10.00 Uhr auch zu dem Hornisten der Feuerwehr, Peter Scherer. Er bließ dann auch sofort Alarm - und dies auch vor dem Gotteshaus. Daraufhin verließen viele junge Männder das "Hochamt" mit Schrecken, dass es irgendwo einen Brand gibt. Derartige Brände ereigneten sich jährlich 2-3mal. Es herrschte große Unsicherheit und Aufregung, denn niemand konnte sagen, wo es einen Brand gibt. Um die Mittagszeit kamen die Amtsboten, die "Kleinrichter" und trommelten aus, von der "Ersten Gasse bis zur Mittelgasse" der "Balger Sepp-Vetter" und von der "Bauerngasse bis zur Letzten- und Fabriksgasse" der "Beck-Michel-Vetter": "D"r Damm is eigriss; niemand soll ins Riet gehn; es besteht große Gefahr! Während des ganzen Vormittags war der Verwalter Nikolic mit seinen "Bereschen" (Knechten) unablässig bemüht von den Herden seiner Herrschaft an Schweinen und Büffel zu retten, was zu retten war. Ab der Mittagszeit nahmen sie wegen der Gefahr der herannahenden großen Wasser-Massen den Weg nicht mehr über das Riet, sondern direkt Richtung Glozan und von dort nach Tscheb.

Der Bruch des Dammes ereignete sich bei Begec, etwa 10-12 km von Tscheb entfernt. Das Riet füllte sich bis gegen Abend. Am nächsten Morgen war das ganze Riet von Tscheb bis Begec zu einem einzigen großen See geworden. Die Stallungen und das Wohngebäude vom "Nikolic-Salasch" (Ausiedlerhof) waren bis zur Decke unter Wasser. Mitten im Riet stand die "Rosshalterhütte", die Notunterkunft für Zuchtstuten und Fohlen, sie stand auf Pfählen und ihre Maße betrugen etwa 50x8 Meter. Auch dieses stand bis zur Hälte des Daches, das mit Rohr (Schilf) gedeckt war, unter Wasser. Hier entdeckten die Donaumüller am nächsten Tag, als sie mit ihrem Kahn vorbeifuhren, an einem Ende der Dachkuppel einen Wildhasen und am anderen einen Fuchs (in der Gefahr verträgt sich alles!). Sie könnten in der Pfanne eines "Wilderers" gelangt sein! Ich würde mich freuen, wenn mir jemand darüber Bescheid geben könnte.

Im Spätsommer 1924 ging dann das Wasser wieder zurück. Die Bruchstellen des Dammes wurden geschlossen und im darauffolgenden Jahr - 1925 - wurde der Damm wesentlich verstärkt. Der Fuß des Dammes wurde um 10 Meter verbreitert und die Höhe um 1 Meter höher gesetzt.

Im nächsten Jahr - 1926 - passierte dann folgendes: Im April und Mai kam wieder das Hochwaser und diesmal um 120 cm höher als 1924. Das Wasser reichte genau bis zu der Stelle, wor der Damm aufgefüllt wurde. Der neue Grund (Boden) war aber mit dem seitherigen noch nicht genügend verwachsen. So wurde der neue Damm auf der ganzen ausgebesserten Strecke "schwabbelig" (weich) und die Gefahr eines erneuten Bruches war gegeben.

So wurde, wie P. Erni richtig berichtet, Alarm in Tscheb, Glozan und Begec gegeben. Aus jeder Haushaltung musste eine Person mit Spaten oder Schaufel ausgerüstet und die Bauern mit Ross und Wagen zum Notdienst antreten. Es wurden Sandsäcke gefüllt und an den weichen Stellen angebracht. Die Zimmerleute der Herrschaft, Gruber Hans, Gari Franz und Balger Hans mit ihren Gesellen fertigten Spundwände aus Bauholz und Pfosten von 5 cm Stärke wurden in den Boden getrieben.Und der Damm hielt dem Wasser stand! Der Druck des Wassers war aber so stark, dass es im Riet an manchen Stellen wie aus einer Bergquelle hervorsprudelte. Und genau an einer solchen Stelle verunglückten die zwei Pferde von Mayer Josef. Doch die Herrschaft war so großzügig und ersetzte ihm die Pferde.

Hinzugefügt sei noch, dass unsere Gemeinde in ihrer seitherigen Geschichte nie hochwassergefährdet war. Die Standortwahl der neuen Siedlung im Jahre 1801 war eine glückliche. Alle umliegenden Gemeinden, Glozan, Begec, Futog, Gajdobra, Neugajdobra, Bulkes und Palanka liegen um 2-3 Meter tiefer als Tscheb. Sie wären eher geschwommen als unsere Gemeinde."


1919: Der Tscheber Prof. Dr. Jakob Bleyer wird Minister in Budapest
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