HOG:

  > Aktuelles
  > Wir über uns
  > Unser Team
  > Unverlierbare Heimat
  > Heimatbriefe - seit 1972
  > Veranstaltungkalender
  > Kontakt

Begrüßungsrede von Roland Groh, dem 1. Vorsitzenden der HOG Tscheb, anlässlich des letzten Tscheber Heimatortstreffens am 19. Mai 2018 in Reutlingen:


Herzlich willkommen zu unserem 27. Tscheber Heimatortstreffen! Ich begrüße den 2. Vorsitzenden der Donauschwaben in Reutlingen, Herrn Norbert Merkle. Ebenso herzlich begrüße ich Duschko Galonja, der den weiten Weg aus dem alten Tscheb und heutigen Celarevo / Serbien wiederum nicht gescheut hat, um uns zu unserem Treffen zu besuchen.....

Grüße an Sie alle soll ich ausrichten von Györgyi Damjanić geb. Kisch aus Tscheb/Čelarevo mit Geschwistern, mit denen sie uns vor zwei Jahren zu unserem Treffen besucht hat. Nachstehend den Wortlaut ihrer E-Mail:

Liebe Tscheber!
Traurig, dass es zu diesem letzten Treffen doch einmal kommen musste und doch froh, dass wir ES einmal miterleben konnten, grüßen wir Sie aus Ihrer alten Heimat! Unsere Grüße senden wir an alle, die heute da sind und an alle Ihre Angehörigen und Nachfolger, die dank Ihren Erinnerungen und Geschichten, dank diesem Treffen Ihr und unser Tscheb auch weiter im Herzen tragen werden!
In Tscheb sind Sie bei uns immer willkommen!
Die vier Haman-Enkel und Geschwister Kisch: 
Monika, Feri, Maria und Györgyi mit ihren Familien
In Čelarevo, am 12.05.2018

Ebenfalls herzliche Grüße und einen guten Verlauf unseres Treffens wünscht Hans Welsch aus Pfaffenhofen, der aus gesundheitlichen Gründen leider nicht am Treffen teilnehmen kann.  Beste Grüße an alle zu diesem Treffen senden auch Franz u. Marianne Nachbar aus Maximiliansau und weitere Grüße an Sie alle übermittelte Rosina Bün geb. Seider aus Eppelheim. Vorab ein großes Dankeschön an Elfriede und Konrad Korol, die sich zum zweiten Mal wieder sehr viel Zeit genommen und viel Mühe bei der Erstellung der großen „Seiler-Schautafel" gegeben haben. Eine bereits im Jahre 2012 kreierte, gleichartige Tafel wurde von ihnen zum Heimattreffen in Reutlingen 2012 ausgestellt. Die damals anwesenden Donauschwaben aus Kanada hatten sehr großes Interesse an dieser Tafel und so fand sie daraufhin seinerzeit den Weg nach Kitchener/Kanada. 

Schautafel „Die Seiler in Tscheb“
Ein großes Dankeschön an alle, die mit dazu verholfen haben, dass dieses Treffen noch einmal stattfinden konnte. Wir haben heute das letzte Tscheber Heimatortstreffen. Diese Entscheidung wurde mehrheitlich in unserer letztjährigen Heimatortsausschusssitzung im Oktober 2017 beschlossen. Damals kam treffend der Satz von unsere lieben Anna Moritz: "Ja, was bleibt denn dann noch von Tscheb?" Vielleicht geht es vielen so wie Anna. Jenen möchte ich antworten: Tscheb bleibt natürlich in erster Linie in unseren Köpfen, in unseren Gedanken.  Die Gründe für diese Entscheidung dürften ihnen bekannt sein. Ich will nochmals einige davon aufführen, damit dieser Schritt besser zu verstehen ist: Die Erlebnisgeneration und selbst die Kindergeneration von 1944 hat nun auch schon bald die 80er Jahresschwelle erreicht. Ihre Erinnerungen an die alte Heimat und das tägliche Leben mit Nachbarsfamilien und Freunden, an die Tscheber Dorfkultur verblassen immer mehr. Nur die "Interessierten" unserer Nachkommen erfahren noch Einiges aus den Gesprächen mit den Eltern und Großeltern.                                                             
Tscheb ist für die meisten Geschichte, nicht mehr wiederzubringen und verloren. Nach nunmehr 73 Jahren und zwei Generationen von Tschebern sinkt das Interesse an der alten Heimat naturgegeben. Der Tscheber Heimatbrief wird derzeit noch an 303 Leser versandt und diese Zahl nimmt naturgemäß stetig ab. Die Spendenbereitschaft der noch lebenden Tscheber zeigt nach wie vor die innere Verbundenheit mit ihrer vergangenen Welt in der Vojvodina in Serbien. Nur noch eine knappe Handvoll deutschstämmiger Personen leben in Tscheb.
Für viele ist es beschwerlich, überhaupt noch an einem Treffen teilzunehmen. Die wenigen, die noch kommen konnten, möchten ihre Schulkameraden, ehemaligen Nachbarn und weitläufige Familienangehörige treffen und mit ihnen "verzehla".  

Bei unserem Heimatortstreffen 2017 waren nur noch 42 Personen anwesend. Unser Treffen wird seit Beginn in einer traditionellen Form abgehalten. Dies entspricht den Vorstellungen der Erlebnisgeneration, daher soll auch dieses letzte Treffen traditionell bleiben.

Zur Tradition gehört auch, dass unsere Urahnen oder Ansiedler beim Weggang von ihren Lieben einen Rosmarinstrauch mit dem Hinweis mitbekommen haben, dass sie diesen Rosmarinstrauch in der Fremde in die Erde setzen sollen, wo sie sich niederlassen wollen. Wenn er nicht wächst, sollen sie weiterziehen und sich dort niederlassen, wo der Rosmarinstrauß gedeiht. Daher hat Gitti Zillig abermals auf allen Tischen einen kleinen Rosmarin dekoriert, der symbolisch an diese Geste der Aussiedler erinnern soll. Danke liebe Brigitta, das finde ich eine sehr schöne Geste und ist einen Applaus wert.
Es mag ja abgedroschen klingen, aber so ist es nun mal: Auf dem bisherigen Weg kann der Marsch nicht weitergehen. Eine Zauberformel haben auch wir nicht in der Hand, um eine optimale Lösung hierfür zu bieten. Aber wir können gemeinsam überlegen, welche Möglichkeiten oder Strategien es gibt, ein Programm für die Zukunft aufzulegen. Schon der Dichter Schiller sagte: „Wer nichts wagt, der darf nicht hoffen“.  

Eine andere Form des Treffens kann ich mir persönlich durchaus vorstellen, wenn es hierfür genügend Interessenten (ca. ab 20 Personen) gibt:

  1. Ortsungebunde Treffen, d.h. wir suchen uns Standorte aus, an denen wir wissen, dass mehrere Tscheber und deren Nachkommen in der Nähe wohnen und treffen uns dort im kleinen Kreis mit einem Informationsprogramm. Dazu gehören selbstverständlich Fotos, wenn möglich Musik, organisatorisch in Abstimmung mit dem Heimatausschuss. Hierbei sollte die Nachfolgegeneration mit einbezogen werden. 
  2. Gemeinsame Busfahrten zu Donauschwäbischen Veranstaltungen. 
  3. Busfahrten, wie sie unser Norbert Merkle bereits mit Erfolg hier in Reutlingen praktiziert.
  4. Besuche bei Österreichischen Landsmannschaften, verbunden mit touristischen Besichtigungen vor Ort.
  5. Treffen anlässlich Veranstaltungen, wie z.B. das Ulmer Donauanrainerfest in diesem Jahr (eine Woche im Juli).
  6. Treffen von Gleichgesinnten einmal im Laufe des Jahres. Ziel wird ausgewählt. 
  7. Weitere Vorschläge sind herzlich willkommen!
  8. Im Mittelpunkt sollten kulturelle Beziehungen stehen, ein gemeinsames Bestreben, das Andenken an die deutsche Bevölkerung des Ortes Tscheb (heute Celarevo) zu bewahren. Das Kirchengebäude aus der Zeit des ehemaligen Tscheb zu erhalten, sofern wir das wollen und dort ein Dokumentationszentrum einzurichten. Ich weiß, dies war schon mal ein Thema, das letztlich leider zu sehr kontroversen Diskussionen geführt hat. Aber vielleicht war das damals auch zu früh, jetzt könnte dies durchaus neu überlegt werden z.B. unter Einbeziehung der jetzigen Gemeinde Celarevo und des dortigen Denkmalamtes, den donauschwäbischen Institutionen vor Ort. 

Was weiterhin bestehen bleibt: 
  • Der jährliche Tscheber Heimatbrief mit Familiennachrichten, mit der Geburtstagsliste, mit Jubiläen und den Todesnachrichten sowie die Spendenliste. Wir freuen uns, wenn Sie uns auch in Zukunft Berichte über Feiern, Familiennachrichten und Leserbriefe zusenden.  

  • Der Tscheber Heimatortsausschuss bleibt wie bisher bestehen und kümmert sich selbstverständlich auch weiter um die Pflege des Gedenksteins auf dem Friedhof in Reutlingen. Sie wurde um 10 Jahre verlängert, ist jetzt bis 2030 geregelt und wird von einer Friedhofsverwaltungsgesellschaft durchgeführt. Sehr wichtig!   
  • Wir suchen immer noch Räumlichkeiten, in denen wir all die Erinnerungsstücke, die von und mit Tscheb verbunden sind, unterbringen können.  
  • Verbleib oder Aufbewahrung der Tscheber Kirchenfahnen
  • Nachlass, wie persönliche Briefe, Bücher aus dem Nachlass von Hans Schrenk und Adam Ischtwan, Gegenstände, wie Haushaltsartikel, Jakob-Bleyer-Medaillen, Kartographien, Familien-Erinnerungsstücke  u.v.m.
  • Alte Heimatbriefe
  • All die liebevoll gestalteten Ausstellungs-Schautafeln von Elfriede und Konrad Korol zu unseren Tscheber Heimatortstreffen.                                     
Wir können uns vorstellen, dass alle diese erhaltenswerten Gegenstände in  der  Stadt zur Einsicht archiviert werden, in der jahrzehntelang unsere Heimatortstreffen stattfanden und 70 Tscheber Familien eine neue Heimat gefunden haben. Und das ist nun mal Reutlingen.  Die bisherigen diesbezüglichen Gespräche mit der Stadt Reutlingen waren jedoch nicht erfolgreich.

 Das Donauschwäbische Institut in Tübingen nimmt nur die schriftlichen Dinge auf.  

Der Heimatortsausschuss bedankt sich an dieser Stelle bei den treuen Lesern und Spendern ganz herzlich. Die Aufgaben wurden bisher alle ehrenamtlich erledigt. Es fallen aber auch weiterhin Kosten für die Erstellung des Tscheber Heimatbriefes an. Wir sind daher nach wie vor auf Ihre Spenden angewiesen und hoffen, dass sie uns auch in Zukunft finanziell unterstützen.               
            
Wir von der Vorstandschaft Tscheb danken Euch für Eure Treue zu unseren Heimatortstreffen und wünschen auch denen, die heute nicht dabei sein konnten, schöne Tage mit vielen guten Erinnerungen an unsere Treffen. Unsere Eltern und auch wir und viele andere von der Nachkriegsgeneration haben an der alten Identität festgehalten, schätzen aber auch das Neue, das wir hinzugewonnen haben. Wir besitzen somit zwei Identitäten, die donauschwäbische und die örtliche, mit denen wir jetzt leben. Damit ist unser Leben reicher und tiefer geworden, wir können aus zwei Quellen schöpfen und schauen über den Tellerrand von nur einer Identität hinaus. Wir können aber auch vergleichen und werten und erreichen damit mehr Tiefe.               

Diese zwei Identitäten, die wir haben, gebieten es, den Zusammenhang dieser Dinge in unserem täglichen Leben im Kopf zu behalten. Aus dieser Erkenntnis heraus kann ich Euch, liebe Freunde, nur zurufen, wie ich es kürzlich in einer Zeitung gelesen habe: Wer Donauschwabe ist und bleibt hat mehr vom Leben! 

Ich danke Euch fürs Zuhören!

                                                                                                                                                                                                                          

1838: Schule brennt ab
>> weiterlesen