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Das Dreschen in Tscheb


 
Die Dreschmaschine war im Besitz der Familie Josef Mallog (sen.) aus Tscheb. Der Motor war ein Holzkohlengasmotor (Selbstfahrer) mit 16 PS. Der Dreschkasten hatte eine Trommelbreite von 36 Zoll und war geeignet zum Dreschen von Gerste, Weizen und Hafer. Im Herbst wurde dann mit einem kleineren Zusatzdreschkasten, dessen Trommel für Klee gebaut war, auch Klee gedroschen. Der Elevator ist ein Eigenbau zur Strohförderung. Die Dreschmaschine wurde 1925 mit Benzin betrieben, eine moderne aber teure Angelegenheit. Deshalb wurde der Motor 1926 auf den Betrieb mit einer Holzkohlengasanlage umgebaut. Eine solche Anlage wog ca. 800 bis 1.000 kg. Bis 1927 wurde die Dreschmaschine mit Pferden von Dreschplatz zu Dreschplatz gezogen, eine schwere Arbeit für Mann und Pferd. Dabei befand sich der Motor auf einem einfachen Fahrgestell (nicht auf dem, welches das Foto gezeigt ist).

1927 wurde dann die Dreschmaschinenanlage als Selbstfahrer umgebaut, wobei der Holzkohlengasmotor als Antriebsquelle diente. Der Motor hatte zwei Vorwärts- und einen Rückwärtsgang. Die Kraftübertragung vom Motor bis zur Kupplung erfolgte durch eine Kette. Den Motor mit Kühlanlage und Holzkohlengasanlage hatten wir in der Werkstatt meines Meisters Kostdany Baschki Petrovac aufgebaut. Mit dieser Dreschmaschine wurde meistens im Ort, im Waldfeld oder auf dem Dreschplatz am Ortsrand gedroschen.

Das Dreschen ging folgendermaßen vor sich: Die Dreschmaschine wurde von drei Mann bedient und gewartet, einem Maschinenführer und zwei Einlegern (Speiser genannt). Die drei Männer wurden vom Maschinenbesitzer bezahlt.  Außerdem gehörten noch 15 Personen als Arbeitspersonal dazu, davon waren neun Männer und sechs Frauen. Die ganze Arbeit wurde im Akkord gemacht. Der Dreschmaschinenbesitzer mit den drei Männern bekam von je gedroschenem Gewicht in Säcken 7 - 7,5 %. Die 15 Arbeiter bekamen zusammen 4 - 4,5 %. Der Dreschherr hatte also 11 - 12 % seines Dreschgutes als Lohn zu entrichten. Das war, wenn im Ort gedroschen wurde. Wurde auf den  größeren Dreschplätzen im Hotter (Feld) gedroschen, dann waren die Abgaben meist um 1 % kleiner.

Ein jeder Arbeiter hatte eine bestimmte Aufgabe an seinem Arbeitsplatz. Der Maschinenführer und die Einleger waren verantwortlich für den Lauf der Maschine. Die Einleger haben sich nach je 1.000 kg gedroschenem Getreide immer abgelöst. So ging das immer fortlaufend. Auch die 15 Arbeiter hatten Gelegenheit, Wechselpausen einzulegen. Von den 15 Arbeitern waren drei Männer auf den Garbentriesten, eine Frau war auf dem Dreschkasten. Sie schnitt die Garben auf und reichte sie an den Einleger weiter. Drei Männer mit einem Setzer waren am Stroh, vier Frauen trugen die Spreu, eine Frau setzte sie, ein Mann und eine Frau waren damit beschäftigt, die Säcke mit dem gedroschenen Getreide auf die Waage zu bringen und zu wiegen sowie das Gewicht aufzuschreiben. Für die Richtigkeit des aufgeschriebenen Gewichtes war der Maschinenführer mit verantwortlich.  Nach dem Wiegen musste der Dreschherr (Bauer) die Waage räumen und sein Dreschgut selbst abtransportieren. Die vorher genannten 4 - 4,5 % Lohn für die 15 Arbeiter wurden nicht in Naturalien (so wie beim Dreschmaschinenbesitzer) sondern jeden Sonntag in Geld von jedem Dreschherren mit den Getreide-Tagespreisen ausbezahlt. Der Dreschmaschinenbesitzer war verpflichtet, für alle 18 Arbeiter eine Kranken- und Unfallversicherung abzuschließen.

War die Arbeit bei einem Dreschherren erledigt, man sagte der Dreschplatz war fertig, so war jeder verpflichtet, alles so schnell als möglich fertig zu machen, damit man zur nächsten Dreschstelle fahren konnte. Dort musste dann die Maschine so schnell als möglich eingerichtet werden, damit es gleich weiterlaufen konnte, denn alles lief ja im Akkord. Trotz Akkord gab es immer Möglichkeiten, abwechselnd Pausen einzulegen.
Die Arbeitszeit ging von morgens 4.00 Uhr bis abends 8.00 Uhr. Die tägliche Tagesleistung der Dreschmaschine lag, wenn im Ort gedroschen wurde, bei ca. 160-200 Doppelzentner Getreide. Wurde im Hotter gedroschen, waren es 180-220 Doppelzentner.  Das Dreschen begann ab Peter und Paul (29. Juni) und dauerte 4-5 Wochen.
Im Herbst wurde dann, wie anfangs schon erwähnt, Klee gedroschen.

von Josef  Mallog, Hettenleidelheim aus dem Jahre 1975

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31.12.1944: Marsch nach Hodschag von 41 Tscheber Frauen und 2 Männern/Deportation n. Russland
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